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20.08.2018

Mit dem „Blauen Klaus“ von Kirche zu Kirche

Nacht der Offenen Kirchen mit neuer Konzeption

Samstagabend, 19.00 Uhr, ein herrlicher Spätsommerabend: Die katholische St. Marien-Kirche in Sporkenheim platzt aus allen Nähten. Die Besucher stehen bis auf den Kirchenvorplatz hinaus. Die erste Station der 5. Nacht der offenen Kirchen in Ingelheim ist bestens besucht. Christian Feuerstein, leitender Pfarrer des Pfarreienverbundes der Katholischen Kirche Ingelheim, freut sich ebenso wie seine Kollegin Petra Lohmann von der  Evangelischen Gustav-Adolf-Kirchengemeinde Ingelheim über die bis auf den letzten Platz gefüllten Kirchenbänke. Thema der, gemeinsam mit der Combo der Bläserchöre Ingelheim und der Singgemeinschaft der Gustav-Adolf-Kirchengemeinde gehaltenen, Andacht ist die „Suche nach den Quellen des Lebens“ – eine Facette des Mottos, das sich das von der Bildungsbeauftragten des Dekanates Ingelheim, Martina Schott, koordinierte Organisationsteam der Nacht der Offenen Kirchen entsprechend der Jahreslosung 2018  gewählt hat: "Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst".

An  fünf Stationen, die nacheinander besucht werden, erwarten die Teilnehmenden an diesem Abend ganz besondere, ebenso unterhaltsame wie inspirierende, Interpretationen dieses Themas. Und noch etwas steht für die Besucherinnen und Besucher bereit: Zwei mobile “Untersätze” warten am Straßenrand vor der Sporkenheimer Kirche. Der “Blaue Klaus”, eine kleine Bahn mit zwei Anhängern, und ein Traktor mit einem komfortabel ausgestatteten Planwagen, gesteuert von Gregor Fetzer, werden die Gäste an diesem Abend sicher von Station zu Station bringen. Ein Novum bei der Nacht der Offenen Kirchen, bei der bisher die Veranstaltungen parallel und nicht wie an diesem Abend, nacheinander terminiert sind. Und diese Neuerung kommt bestens an: Vergnügt nehmen die Teilnehmenden in den Bahnwaggons und in der gemütlichen “Rolle” Platz. Mal etwas ganz anderes, bei sommerlichem Fahrtwind durch die Straßen Ingelheims zu rollen. Fast pünktlich, kurz nach 20.00 Uhr, trifft man an der Evangelischen Versöhnungskirche ein. Der  schon gut gefüllte Kirchenraum ist abgedunkelt, nur die an die rückwärtige Kirchenwand projezierte blaue Erdkugel ist zu sehen. Aus den Lautsprechern hört man Wasser plätschern, rauschen und tropfen, und aus dem Off erklingen,von Gemeindegliedern und dem Pfarrer der Versöhnungskirche, Peter Fleckenstein , gesprochene nachdenkliche und kritische Statements zum Umgang des Menschen mit dem Element Wasser. Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis und gestärkt von einem kleinen Imbiss, geht die Reise durch die mittlerweile in Dämmerlicht getauchten Straßen Ingelheims weiter zum Neuen Markt vor der KinG. Vor dem Hintergrund der bunt angestrahlten Wasserfontänen erwarten die Kirchenreisenden Flüchtlingspfarrer Peter Oldenbruch und die Gefängnisseelsorgerin im Abschiebungsgefängnis Ingelheim, Evi Lotz-Thielen, mit Informationen über die zwiespältige Rolle, die derzeit das Wasser für Flüchtlinge spielt. Die Überquerung des Mittelmeers erscheint als Weg in die Freiheit, birgt aber derzeit noch dramatischer – angesichts des Ausfahrverbotes von zivilen Seenotrettungsschiffen auf das Mittelmeer –Gefahren für Leib und Leben. Gleichzeitig bietet eine Audiosäule, die sogenannte O-TONne, Audiosequenzen zu Flüchtlingsschicksalen. Auf dem Boden verteilt stehen Kisten, gepackt und gestaltet von Frauen, die sich derzeit im Ingelheimer Abschiebungsgefängnis befinden.

Mittlerweile ist es Nacht geworden, und bei der Weiterfahrt zur Ingelheimer Burgkirche ist der Anblick der stimmungsvoll angeleuchteten Kirchenburg umso beeindruckender. Hier erwartet die nächtlichen Kirchenbesucher nicht nur eine Verkostung verschiedener Mineralwässer, sondern auch eine u.a. mit Riesenseifenblasen verzaubernde Vorstellung der Performance-Künstlerinnen Corina Ramona Ratzel und Katharina Klein. Die Besucher sind begeistert. Dass dieses Erlebnis noch “getoppt” werden könnte, glaubt eigentlich niemand, doch das Nachtkonzert mit dem Pop- und Jazzchor und der Bigband des Sebastian-Münster-Gymnasium reißt die mittlerweile mehr als 200 Besucher in der katholischen St. Remigiuskirche noch bis Mitternacht mit. Mit einer besinnlichen, auf den Abend zurück blickenden, Andacht, gehalten von der Pfarrerin der Evangelischen Saalkirchengemeinde, Anne Waßmann-Böhm, und dem Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Ingelheim, Henrik Diekmann, klingt diese Kirchennacht aus.

Und auch wenn noch  keine Auswertung erfolgt ist, darf man wohl sagen: Das neue Konzept ist aufgegangen. Viele positive Rückmeldungen von Besucherinnen und Besuchern bestätigen dies. Es geht weiter: 2020.