EKHN.TV


Videos und Audio-Slideshows mit spannenden Geschichten aus Hessen und Nassau. Hier geht's zu EKHN.TV

17.07.2018

Ein Traum wird Wirklichkeit

Alte Stummorgel der Evang. Christuskirche Hackenheim wird renoviert.

von links: Maike Enders, Wolfgang Roehn, Jutta Geißler-Drosse, Thomas Wilhelm, Bundestagsabgeordnete Antje Lezius, Hilde Speier, Pfarrer Mirko Webler

Hackenheim, Juli 2018.
Noch liegt der Schatz vergraben und verpackt in Kisten in der Hackenheimer Schreinerei Eder. Aber bald wird er ans Tageslicht befördert, um die Reise nach Bonn anzutreten, wo er in der Orgelbauwerkstatt Klais schon sehnsüchtig erwartet wird: die Rede ist von der aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammenden Stumm-Orgel, die einst in der Christuskirche erklang. Damals hieß die Kirche noch St. Michael und gehörte der katholischen Gemeinde Hackenheims, die eine größere Kirche benötigte und das aus dem Jahre 1816 stammende Gotteshaus zunächst an das Künstlerehepaar Kubach-Willems verkaufte. Die historisch bedeutende Orgel zog mit ins neue Domizil, wurde jedoch im Laufe der Jahre durch eine neue Orgel ersetzt, das alte Instrument von der evangelischen Kirchengemeinde gekauft und vorerst ausgelagert.
Mittlerweile hat die evangelische Kirchengemeinde Hackenheim das als Atelier genutzte alte Kirchengebäude von dem bekannten Künstlerehepaar Kubach-Willems gekauft und renoviert. Seit 2004  werden dort wieder regelmäßig Gottesdienste gefeiert.

Was noch fehlte war die alte Orgel – die Kosten für eine Restaurierung stiegen mittlerweile auch aufgrund gestiegener Rohstoffpreise auf 258 000 Euro, die den Wunsch der Gemeinde eher ins Reich der Träume verwies. Trotz pfiffiger Ideen wie Benefizdiners in der Christuskirche oder Oldtimerrallyes kam man auch nicht annähernd an diese Summe heran.
Das jahrelange Ringen um Spenden und Gelder wurde nun aber belohnt, und der Traum der Gemeinde ist nach all dieser Zeit in Erfüllung gegangen: 121 000 Euro bekommen die standhaften Protestanten durch ein Orgelbauförderprogramm des Bundes vom Staatsministerium für Kultur und Medien.
Bis es soweit war, mussten sprichwörtlich „alle Register“ gezogen werden: vom Antragstellen 2016 bis zum Bewilligungsbescheid 2018 war es ein langer Weg, entscheidend begleitet durch die Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Bad Kreuznach und Birkenfeld, Antje Lezius, die sich bei den entsprechenden Stellen in Berlin mächtig ins Zeug legte für die historische Orgel aus der Werkstatt der einst im Hunsrück maßgeblichen Orgelbauerfamilie Stumm.
„Ich habe gesehen, mit welchem Enthusiasmus sie dabei sind und wie sie hinter dem Projekt stehen. Ich konnte dank ihrer Vorarbeit in Berlin voller Stolz hingehen und sagen, ‚das bedarf der Unterstützung‘“, erzählte jetzt Antje Lezius beim Zusammentreffen mit Kirchenvorstand und Pfarrer in der Christuskirche und zollte dem enormen Einsatz gerade  der Ehrenamtlichen ihren besonderen Dank. Hartnäckigkeit sei da in Berlin schon erforderlich wie auch das Aufstoßen vieler Türen, schilderte die Politikerin im Gespräch.
Gemeinsam mit dem Sachverständigen für Orgeln und Glocken innerhalb der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Thomas Wilhelm, schaffte der Antrag das zweistufige Ausschreibungsverfahren. „Wir haben an etwas geglaubt, was wir nicht für möglich gehalten haben“, spricht Kirchenvorstand Wolfgang Roehn allen Beteiligten aus der Seele.
Besonders stolz zeigt man sich in Hackenheim auch darüber, das mit der Firma Klais eine weltweit renommierte Firma gewonnen werden konnte, die nicht nur für die Orgel in der Hamburger Elbphilharmonie verantwortlich zeichnet, sondern auch zu den Pionieren in der Restaurierung nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten gehört. Die Bonner Firma wird nun in den kommenden knapp anderthalb Jahren das Hackenheimer Instrument in ihren Originalzustand als sogenannte „romantische Orgel“ mit zwei Manualen und 15 Registern zurückversetzen. Mit einer kleinen Veränderung: Die nach dem Umzug der Orgel in die neue katholische Kirche hinzugekommenen zwei Klangfarben sollen erhalten bleiben, erläutert Thomas Wilhelm und fügt hinzu, dass die Orgel mit Hilfe der Handwerkstechnik, die zur Bauzeit gebräuchlich war, bearbeitet wird.

Wenn alles gut geht und die Arbeiten im gewünschten Zeitrahmen verlaufen, wird die Orgel pünktlich zum Reformationstag am 31. Oktober 2019 wieder in Hackenheim zu hören sein. Über den Stand der Dinge wird sich die Kirchengemeinde Hackenheim durch Fahrten nach Bonn informieren, lässt die Vorsitzende des Kirchenvorstandes Jutta Geißler-Drosse jetzt schon wissen.

Hintergrundinfo Kosten/Finanzierung:
Restaurierungskosten: 258 000

Finanziert durch:
121 000 Euro  Fördermittel, die durch die Generaldirektion kulturelles Erbe in Rheinland Pfalz (GDKE) ausgezahlt werden
20 000 Euro Oldtimerrallye und Benefizdinner  
5000 Euro Stiftung Orgelklang
25 000 Euro EKHN
90 000 Euro Kirchengemeinde

Text und Bild: Luise Lutterbach