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20.12.2017

"Kostbarer Schatz"

Weitere Erkenntnisse über die Baugeschichte des ersten Mainzer Doms St. Johannis

Guido Faccani, wissenschaftlicher Forschungsleiter am Alten Dom, erklärt den Stand der Grabungen

Das 20-köpfige Team um Faccani hat den gesamten Kirchenkorpus untersucht

Das Interesse der Journalisten an Grabungsarbeiten war enorm

Seit 18 Monaten forscht das Team von Faccani am und im alten Mainzer Dom

Faccani zeigt eines der Fundstücke: Ein Tierknochen, aus dem Perlen für Rosenkranzketten herausgearbeitet wurden

Mehr als 400.000 Fundstücke kamen im Alten Dom zu Tage, die nun gesichtet und archiviert werden müssen

Wolfgang Feilberg, Oberkirchenrat der EKHN, Guido Faccani, wissenschaflicher Forschungsleiter, Gegor Ziorkewicz, Stadtkirchenpfarrer an St. Johannis, und Dekan Andreas Klodt freuen sich über den immensen Erkenntniszuwachs der letzten Monate

Mainz, 20. Dezember 2017. Das zurückliegende Jahr hat dank der Arbeiten des Teams um Guido Faccani, wissenschaftlicher Forschungsleiter am Alten Dom, weitere Erkenntnisse über die Baugeschichte des ersten Mainzer Doms erbracht. Bis dato sind weite Teile des Alten Doms St. Johannis erschlossen und untersucht worden. Dabei konnten die Archäologen und Bauforscher von West nach Ost den gesamten Kirchenkorpus vom ursprünglichen Fußboden bis hinauf in 12 bzw. 16 Meter Höhe untersuchen. Viele Kubikmeter mussten aus dem Inneren getragen werden, an den Mauern wurden vorsichtig Putzreste abgetragen, verschiedene Fußbodenniveaus freigelegt. Mittlerweile sind dabei über 400.000 Fundstücke zutage gefördert worden, von mehreren zentnerschweren Grabplattenfragmenten bis zu kleinsten, nur wenige Kubikmillimeter großen Spielwürfeln.

Bisher haben die Untersuchungen im Boden und auch an den aufgehenden Mauerwerken eine sehr komplexe und wechselvolle Baugeschichte des Alten Doms erbracht. Erstaunlich viele Teile der heutigen Kirche gehen auf unterschiedliche Weise auf eine spätantike Bebauung zurück, die in den Kirchenbau integriert und späterhin die erste Mainzer Bischofskirche wurde, bis sie 1036 diesen Rang an die benachbarte Nachfolgerin abgab. So konnten in den zurückliegenden Monaten in einen Fußboden integrierte Kanäle freigelegt werden, die vielleicht als Heizung dienten und das Gebäude erwärmten. Dass das Kanalsystem vermutlich aus frühmittelalterlicher Zeit stammt, war nicht zu erwarten. Im aufgehenden Mauerwerk im Osten zeigten sich Überreste großdimensionierter Fenster, die auch zu einem Vorgängerbaubau gehören, der dann später in der heutigen Großkirche aufgegangen ist. Des Weiteren sind großflächig Teile des gotischen Fliesenfußbodens freigelegt worden, die zeigen, wie prachtvoll die Kirche ausgestattet war.

„Ich freue mich über diesen immensen Erkenntniszuwachs, den wir in den vergangenen Wochen und Monaten über St. Johannis hatten“, sagt Dekan Andreas Klodt. „Je länger man forscht, desto mehr zeigt sich, welchen kostbaren Schatz wir hier mit dieser Kirche haben.“ Ausdrücklich dankte er dem gesamten Team für die Arbeit.

„All diese Erkenntnisse durch die umfassenden Grabungsmöglichkeiten zeigen uns nochmal deutlicher die komplexe Baugeschichte von St. Johannis“, sagt Guido Faccani, wissenschaftlicher Forschungsleiter und damit Chef über die 20-köpfige Grabungsequipe, die in den zurückliegenden 18 Monaten am Alten Dom beschäftigt war. Ab kommendem Jahr wird dann eine kleinere Gruppe abermals um Guido Faccani weitere Erforschungen angehen. Hier sollen vor allem im Außenbereich um die Kirche herum ergänzende Untersuchungen erfolgen. Die Forscher erhoffen sich hieraus noch tiefer gehende Erkenntnisse, wie das konkrete Umfeld um den Alten Dom und die Verbindung zum Neuen Dom einst ausgesehen haben könnte. Das heißt aber nun noch nicht, dass damit die Arbeiten und Forschungen am Alten Dom St. Johannis beendet sein werden. Neben den weiteren Arbeiten wird es nun darum gehen, die Vielzahl der Erkenntnisse, die in und um die Kirche herum akribisch zusammengetragen und dokumentiert wurden, aufzubereiten und in einen Gesamtkontext zu stellen.

Gregor Ziorkewicz, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an St. Johannis, berichtet von dem großen Interesse der Öffentlichkeit an den Erkenntnissen in St. Johannis. So kamen alleine am Tag des offenen Denkmals und am Tag der deutschen Einheit mehr als 1500 Menschen in die Kirche. Hinzu kamen zahlreiche Besuche von Fachleuten, die sich vor Ort ein Bild von den spektakulären Erkenntnissen machen wollten.

Finanziert wird die Erforschung des Alten Doms mit Mitteln der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, des Evangelischen Dekanats Mainz sowie Mitteln von Bund und Land. Das Gesamtvolumen für die zurückliegenden Jahre betrug dabei über vier Millionen Euro. Darin eingerechnet sind auch Zuschüsse von Bund und Land in Höhe von 600.000 Euro. Neben den umfangreichen Untersuchungen für die Kirche werden mit diesem Etat auch Aussteifungsarbeiten und Fundamentertüchtigungen zur statischen Sicherung des Gebäudes durchgeführt, wie Wolfgang Feilberg, Kirchenoberbaurat der EKHN hervorhob. Diese Maßnahmen dienten gleichzeitig dazu, die Kirche bis zur Wiedereröffnung für Gottesdienste und Führung nutzbar zu machen.

Zurzeit wird seitens der EKHN, dem Dekanat und der Gemeinde an einer Konzeption für die zukünftige Nutzung gearbeitet. Um die Zugänglichkeit in die Kirche während der weiteren Arbeit und Forschungen auch für Gruppen zu ermöglichen, soll im kommenden Jahr im Westteil eine Plattform mit eingebaut werden, auf der im Sommer dann Andachten, kleine Gottesdienste und auch Führungen angeboten werden können. St. Johannis werde eine moderne zentrale evangelische Kirche in Mainz sein, die sich ihrer historischen Verantwortung bewusst ist, wagt Klodt einen Blick in die Zukunft

Kontakt:

Gregor Ziorkewicz
Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an St. Johannis
Evang. Dekanat Mainz
Bischofsplatz 10
55116 Mainz
 
Tel: 06131 920 58 86
Fax: 06131 97 27 453
Mobil: 0179 538 49 10
Mail: gregor.ziorkewicz.dek.mainz(at)ekhn-net.de

www.alter-dom-mainz.de