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08.11.2017

Mundartdichtung einmal ganz kirchennah

Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator rezitierte auf dem Dekanatsfrauentag Heiteres und Allzumenschliches

Mittwoch, den 1. November, im Gemeindehaus der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde in Ingelheim West. Rund 140 Frauen haben sich auf Einladung der Dekanatsfrauenbeauftragten Hiltrud Runkel aus allen Teilen des Evangelischen Dekanats Ingelheim, ja sogar aus den benachbarten Dekanaten Oppenheim und Mainz, zum Ingelheimer Dekanatsfrauentag zusammengefunden. Zusätzliche Stühle werden herangeholt, mehr Geschirr muss aufgedeckt werden. Die Frauen rücken enger zusammen und man spürt es deutlich: die Dekanin des Evangelischen Dekanates Ingelheim, Annette Stegmann, ist angesichts dieser großen Besucherinnenzahl an die Reformationsfeierlichkeiten des Vortages erinnert. Die Euphorie des Reformationstages ist wieder zu spüren: „Überall waren unsere Kirche gefüllt“, beginnt Dekanin Stegmann mit einem Rückblick auf die Reformationsfeierlichkeiten, „und das hat gut getan und wird uns über den Tag hinaus verbinden!“

Thema des Dekanatsfrauentages ist allerdings nicht die Reformation, sondern die Heimat. „Das hat viel“, so die Dekanin, „mit Sprache, mit Lebenshaltung und Lebensweise zu tun“. Und wer könnte dieses alle verbindende Thema besser verkörpern als die Oppenheimer Mundartdichterin Manuela Rimbach-Sator, die ihres Zeichens auch Pfarrerin der Oppenheimer Katharinenkirche und stellvertretende Dekanin im Dekanat Oppenheim ist. Als in Biebelnheim geborene Rheinhessin wusste die Theologin zum Thema „In Rhoihesse ­ bei de Kersch un drumerum“ ebenso Heiteres wie Nachdenkliches zu erzählen. Ob sie nun einen „sprachgewaltigen“ Dialog zwischen zwei gestandenen, etwas maulfaulen rheinhessischen Männern zitierte oder einen Mundart-Postkartentext in Rap-Form – ihr Publikum bekam viel zu Schmunzeln und zu Lachen. Besonders hübsch das Gedicht über die „aalt Orjel“, deren Musik wie ein „Teppich für die Seele“ sei, das die Autorin des „Rheinhessischen Adventskalenderbuches“ ihren begeisterten Zuhörerinnen einfühlsam vortrug. Hier wurde deutlich, was Manuela Rimbach-Sators Texte auszeichnet: Sie thematisieren nicht nur nostalgisch-heiter längst Vergangenes. Sie setzen sich auch vielschichtig, mit feinen Pointen durchsetzt, und durchaus kritisch mit der Gegenwart auseinander aus dem Blickwinkel einer Pfarrerin eben, die in ihrem Alltag die ganze Spannbreite menschlicher Tugenden und Laster erlebt. Der Dekanatsfrauentag wäre aber kein Dekanatsfrauentag, wenn ein wesentlicher Teil dieses Nachmittages nicht dem Austausch zwischen den Frauen, die aus allen Teilen des Dekanates nach Ingelheim gekommen waren, bei Kaffee und Kuchen dienen würde. Das gemeinsame Singen, wieder souverän auf dem Klavier begleitet von Hans-Reiner Heucher, und das Einkaufen an den mit Handarbeiten, Büchern, Kalendern und Eine-Welt-Laden-Produkten gut bestückten Ständen gehörte wie immer auch dazu. Der von Dekanin Annette Stegmann gehaltene Abschlussgottesdienst rundete den wieder einmal, dank des großen Engagements von Hiltrud Runkel und ihres ehrenamtlichen Helferteams sehr gelungenen, Nachmittag ab. Übrigens kündigte der Präses des Dekanates Ingelheim, Horst Runkel, in seinem Grußwort an, dass sich für Männer 2018 eine Alternative zum Dekanatsfrauentag konkretisiert hat. Im kommenden Jahr wird es endlich – vermutlich im Juni oder Juli – einen Dekanatsmännertag geben.