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03.10.2017

Alles hat seine Zeit

Ober-Saulheim: Pfarrer Norbert Ansorg in einem feierlichen Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet

Feierlicher Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Norbert Ansorg.

Evangelischer Singkreis Saulheim unter der Leitung von Doris Neuhäuser.

Evangelischer Bläserkreis Saulheim, an diesem Tag unter der Leitung von Günter Berger.

„Mit Gottes Beistand und Segen“. Überreichung der EKHN-Urkunde für die geleisteten Dienste durch Dr. Klaus-Volker Schütz, Propst für Rheinhessen, an Pfarrer Norbert Ansorg.

Michael Graebsch (li im Bild), Dekan des Evangelischen Dekanates Oppenheim, dankte Pfarrer Ansorg für die gemeinsame Zeit und sein außergewöhnlich hohes Engagement, auch in schweren Stunden. Der Seelsorger habe seine Arbeit als Berufung verstanden, so Susanne Schmuck-Schätzel, Dekanin des Evangelischen Dekanates Alzey.

Mit großem Dank für die geleisteten Dienste als Pfarrer in zwei Dekanaten sowie „Gottes Beistand und Segen“ überreichte Dr. Klaus-Volker Schütz, Propst für Rheinhessen, in einem feierlichen Gottesdienst Pfarrer Norbert Ansorg die Urkunde der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zur Versetzung in den Ruhestand. Mit der Entpflichtung als aktiver Pfarrer folgt nach rund insgesamt 35 Jahren im Dienst der evangelischen Kirche für den Seelsorger nun ein neuer Lebensabschnitt. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst am Sonntag, dem 24. September, vom Evangelischen Sing- und Bläserkreis aus Nieder- und Ober-Saulheim.

Ob Gemeindemitglied, Kirchenvorstand oder Konfirmand, alle waren sie gekommen, um gemeinsam Gottesdienst mit Pfarrer Norbert Ansorg zu feiern. Das letzte Mal an die Kanzel treten, die letzte Predigt vor der Kirchengemeinde, das letzte Mal den Segen sprechen – es fällt Pfarrer Ansorg sichtlich schwer, sich in der vollbesetzten Ober-Saulheimer Kirche als Seelsorger zu verabschieden. Und dennoch, er freue sich auf die vor ihm liegende Zeit als Pfarrer im Ruhestand und blicke mit Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurück. Der Kirchengemeinde bleibe er ja erhalten, schließlich wohne er mit seiner Familie weiter in Ober-Saulheim. Und natürlich komme er gerne in die Kirche, dann jedoch platznehmend auf einer der Kirchenbänke.

„Ich danke allen, die mich in den vergangenen Jahren als Pfarrer begleitet, getragen und unterstützt haben“, so Ansorg. Dies sei nicht selbstverständlich und bestimmt nicht immer einfach gewesen, gerade in seiner persönlich schwersten Zeit, im Jahr 2011, als er gesundheitlich kürzer treten musste. Große Unterstützung und Begleitung erfuhr der Theologe damals durch viele helfenden Hände, allen voran durch den Kirchenvorstand, galt es doch gerade in dieser Zeit große Projekte zu stemmen, darunter die Restaurierung der Ober-Saulheimer Kohlhaas-Orgel, eine der drei noch erhaltenen Orgeln der bekannten Mainzer Orgelbauerfamilie Kohlhaas, zu dessen Wiedereinweihung im Jahr 2015 eigens eine Orgelfestschrift erstellt wurde. Vieles falle ihm heute noch schwer, er könne sein Amt nicht mehr so ausführen, wie er gerne möchte, daher habe er sich auch für den frühzeitigen Ruhestand entschlossen.

„Landpfarrer par excellence”


Nicht nur in Ober-Saulheim begleitete Pfarrer Ansorg die Menschen „in allen Lebensphasen“, so Propst Schütz. Neben seinem 0,5 Dienstauftrag im Evangelischen Dekanat Oppenheim war der 63jährige ebenso mit halbem Stellenanteil für das Nachbardekanat Alzey als Pfarrer in den Kirchengemeinden Bechtolsheim, Biebelnheim, Ensheim und Spiesheim tätig. 1954 geboren, aufgewachsen im hessischen Westerwald in der Nähe von Herborn, ging Ansorg nach dem Abitur zum Theologiestudium nach Heidelberg. Nach erfolgtem erstem Examen absolvierte er sein Vikariat in der Badischen Landeskirche an der Schweizer Grenze, um nach dem zweiten theologischen Examen wieder in seine Heimatkirche zurückzukehren. Im Jahr 1988 kam er aus dem Odenwald nach Rheinhessen in die damalige Johannisgemeinde Sprendlingen, bis er schließlich im August 2002 als Pfarrer in Ober-Saulheim begann.

Ein Gemeindepfarrer, ein „Landpfarrer par excellence“, lobt Schütz den Theologen. Der direkte, schnelle Kontakt mit Menschen sei seine Stärke, seine Ausdauer selbst in schweren Stunden, ebenso seine ganz eigene Art, das Evangelische zu vermitteln. So zum Beispiel im Rahmen der Truckerseelsorge an der A61 im Autohof Gau-Bickelheim. „Behalten hat seine Zeit, loslassen hat seine Zeit.“ So wünscht der Propst Pfarrer Ansorg einen zufriedenen Blick auf das, was war aber auch auf das, was kommt. „Genießen Sie die freie Zeit“, denn aufhören will gelernt sein.

Engel als Wegbegleiter

Rückblickend, resümiert Ansorg, sei er nur eine kleine Etappe des Weges mit der Kirchengemeinde gegangen, dies aber mit Herz, ganz im Sinne seiner Predigt zum Michaelistag, in welcher er Engel als „Sprachrohre Gottes“ thematisierte. Ob als Pfarrer oder als Gemeindemitglied, „wir alle können und dürfen Engel sein“, so der Theologe, als Ratgeber für andere da sein und sich ein Stück des gemeinsamen Weges begleiten.

Zahlreiche Gäste konnte Pfarrer Ansorg ebenso beim anschließenden Empfang im Martin-Luther-Haus begrüßen. Sie alle überbrachten persönliche Gruß- und Dankesworte, begleitet von aufmerksamen Abschiedsgeschenken.  „15 Jahre und einen Monat“, dies ist Ansorg wichtig. „Alles hat seine Zeit. Ich bin gerne Pfarrer, nun brauche ich Zeit für Gesundheit.“ Keine gefüllten Terminkalender mehr, freie Wochenenden, ruhige Stunden für neue Vorhaben. Dabei werde er sich als erstes an einen neuen Tagesablauf ohne dienstliche Termine gewöhnen müssen. Und mit einem schmunzelnden Blick auf die vielfältigen persönlichen Präsente anlässlich seiner Verabschiedung freue er sich auf neue Begegnungen mit den Menschen in den Gemeinden. Engel als Wegbegleiter – auch im Ruhestand.

Fotos: eöa/Leone