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25.09.2017

Für ein Netzwerk vor Ort und weltweit

Der Ökumenepreis geht an das Team der Weltgebetstags-Frauen

Das ökumenische Frauenteam der beiden Dekanate, das jedes Jahr den Weltgebetstag vorbereitet, wurde mit dem Mainzer Ökumenepreis ausgezeichnet. Zum vierten Mal wurde die mit 1.000 Euro dotierte Ehrung vom Evangelischen und Katholischen Dekanat in der Josefskapelle verliehen.
„Sie tragen die Idee des Weltgebetstags in viele Gemeinden, die lebendige Gottesdienste feiern, und werden auch darüber hinaus als erfahrene Ansprechpartnerinnen geschätzt“, begrüßte Dekanatsreferent Jürgen Nikolay die engagierten Frauen. Zu Ehren der Preisträgerinnen waren viele Gäste zum Abend in der ökumenischen Kapelle gekommen, der von Dekanatskantor Volker Ellenberger mit feierlichen Orgelklängen eröffnet wurde.

„Wir ehren die Mainzer Vertreterinnen der ältesten ökumenischen Basisbewegung der Welt“, betonte Präses Dr. Birgit Pfeiffer bei ihrer Rückschau auf die Geschichte und Entwicklung der Weltgebetstage. Die Vorlage für Gottesdienste wird Jahr für Jahr von Frauen anderer Länder verfasst. „Informiertes Beten - betendes Handeln“ lautet das Motto, mit den Kollekten werden Hilfsprojekte gefördert. Hoffnungen und Wünsche, Sorgen und Nöte werden von Frauen zur Sprache gebracht, die ihr Land und ihre Lebenssituation vorstellen und mit anderen teilen.

Seit 1955 wird auch in Mainz mitgefeiert, immer in ökumenischer Gebetsgemeinschaft. Von der Innenstadt aus wanderte die Bewegung auch in die Stadtteile. Inzwischen werden rund 20 Gottesdienste hier am Weltgebetstag gehalten, immer am ersten Freitag im März. Den Auftakt bildet das Seminar des ökumenischen Teams, bei dem das Land und die Gottesdienstordnung vorgestellt und dann von Multiplikatorinnen weitergetragen werden. Die Abende werden von Christinnen als Amateurinnen gestaltet. „Das ist eine Form von Emanzipation“, erklärte Birgit Pfeiffer, „mit der Gemeinde zu feiern, die Liturgie zu leiten, aus dem Evangelium zu lesen und einen Segen zu sprechen.“ Wenn das Gebet innerhalb eines Tages rund um den Globus wandert, gibt es anschließend auch Gelegenheit zum Austausch beim gemeinsamen Essen.

Neben dem Erlebnis vor Ort geht es darum zu zeigen, wie alle verantwortlich leben und handeln können. Schon lange vor Globalisierung und Internet entstand dadurch ein Gefühl der Gemeinschaft mit anderen Ländern. Hunger, Armut und weitere Probleme waren und sind Thema in den Gottesdiensten. Darüber zu informieren geht einher mit Handeln und Helfen. „Wir sind stolz auf diese reiche Tradition in Mainz“, würdigte die Präses, „und wünschen Ihnen auch weiterhin viel Freude und gute Begegnungen in weltweiter Verbundenheit.“

Den Ökumenepreis zu verleihen sei zu einer schönen Tradition geworden, lobten die Mainzer Dekane Markus Kölzer und Andreas Klodt die Mainzer Initiativen in diesem Bereich. In ihrer gemeinsamen Ansprache würdigten sie das Engagement der Frauen, um im doppelten Sinne ein Netz zu knüpfen, um den Globus und vom Dekanat in die Gemeinden. Seit vielen Jahren setzen sie sich ein für andere, unabhängig von der Konfession. Als Anerkennung überreichten sie daher Urkunde und Scheck in Höhe von 1000 Euro, die die Frauen für ihre Arbeit nutzen können. Neben lang anhaltenden Beifall gab es Rosen für die Gäste und die Preisträgerinnen der Gruppe um Irmela Teuffel als langjährig Engagierte und Christiane Drewello-Merkel als Leiterin. Ihr Dank galt auch allen Ehemaligen, deren Engagement sie weiterführen konnten, mit verlässlichen, klugen und kompetenten Mitstreiterinnen, lobte sie und zog Resümee: „In vielen schönen Momenten haben wir die Wirkkraft des Heiligen Geistes spüren können.“

Im Rahmen der Feierstunde hielt Dr. Dorothea Sattler einen Vortrag zum Thema „Ökumene aus Frauensicht“. Sie ist Professorin für Systematische Theologie und Direktorin des Ökumenischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Aus ihrer römisch-katholischen Sicht erinnerte sie an Frauen in der christlichen Tradition und Glaubensgeschichte und würdigte ihren Einsatz bei der Verkündigung des Evangeliums. Auch Enttäuschungen kamen zur Sprache, unter anderem über die mangelnde Präsenz von Frauen in kirchlichen Entscheidungsgremien. Auch ihre sozialethische Anliegen sollten stärker Gehör finden, betonte Dorothea Sattler. Erwartungen hat sie an eine neue Sprache in der Erlösungslehre und mehr Wertschätzung des biographischen Zugangs zum Glauben. Sie regte an, sich Gott auch einmal vorzustellen als eine Art lebenserfahrene, mitfühlende Mutter.

Info: Die nächsten Vorbereitungstreffen für den Weltgebetstag 2018 auf Dekanatsebene finden am 19. und 20. Januar in der Mainzer Paulusgemeinde statt. Weitere Informationen unter www.bistum-mainz.de oder www.EvangelischeFrauen.de

Am 10. Oktober um 18 Uhr findet in der Josefskapelle ein Abend zum Reformationsjubiläum statt. Die Reformatorin Katharina Schütz Zell wird vorgestellt, in einem Vortrag und kleinen Schauspiel mit Musik. Zudem gibt es Gelegenheit zum ökumenischen Gespräch.