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04.07.2017

Verschiedenheit macht Konfessionen interessant

Ökumenisch-spiritueller Gang zwischen Alten Dom St. Johannis und dem Neuen Dom St. Martin

Fotos: Dominic Doos

Zu einem spirituellen Gang zwischen den beiden Domen luden Gregor Ziorkewicz, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an St. Johannis, und Johannes Brantzen, Bischöflicher Zeremoniar am Mainzer Dom, ein und nahmen die über 30 Teilnehmer auf eine Entdeckungs- und Erlebnisreise mit.

Erste Station war die St. Johanniskirche. Dort gab Ziorkewicz Einblick in die derzeitigen Grabungsarbeiten. Der Kirchenbau präge seit bereits 1400 Jahren das Mainzer Stadtbild. „Hier wurden Menschen getauft, hier wurden Könige gekrönt, Messen und evangelische Gottesdienste gefeiert“, so Ziorkewicz. Erst seit knapp 200 Jahren ist die Johanniskirche evangelisches Gotteshaus, und so erzählt sie ihre ganz eigene Geschichte über Parallelen und Gegensätze beider Konfessionen. Gerade im Jahr des Reformationsjubiläums bekomme diese Geschichte eine ganz neue Aktualität. „Immer wieder wurde der Alte Dom angepasst an die neuen Formen der Liturgie und der Theologie, aber auch an die Bedürfnisse der Menschen.“ Dies galt auch dann, als die St. Johanniskirche 1830 evangelisch wurde. Doch nicht nur die Geschichte des Ortes selbst, sondern auch der Namenspatron, Johannes der Täufer, erinnert an die ökumenische Verbundenheit: „In der Taufe sind wir mit Christus und mit dem ganzen Volk Gottes verbunden“, betonte Brantzen.

Die nächste Etappe führte in einer kleinen evangelisch-katholischen Prozession über den Leichhof hin zum Hof des Chorhauses am Dom. Früher seien der Alte und der Neue Dom durch einen Paradiesgang miteinander verbunden gewesen, berichtete Ziorkewicz. An diesem Ort zwischen den Domen wiesen die Referenten auf die Vielfältigkeit beider Konfessionen mit Blick auf das Reformationsjubiläum im kommenden Jahr hin: „Was lag zwischen uns? Was liegt noch immer zwischen uns? Was verbindet, was eint uns?“ Doch auch der eigene Lebensweg sei immer wieder von Veränderungen geprägt. „Unser Leben ist immer ein Navigieren durch die Welt“, konstatiert Brantzen. Inmitten des turbulenten Lebens auf dem Leichhof bestand die Gelegenheit darüber nachzudenken, was jeden Einzelnen durchs Leben trägt. Diese Gedanken und Überlegungen sollten mit bunten, selbst beschriebenen Pfeilen an ein richtungsweisendes Verkehrsschild geheftet werden.

Letzte Station des Stadtgangs war der Neue Dom St. Martin, der eigens für den Stadtgang geöffnet wurde. Im Ostchor des seit über 1000 Jahren bestehenden Gebäudes erwartete die Besucher eine Himmelsleiter aus Kerzen, die sie selbst durch das Entzünden weiterer Kerzen erweiterten. Die musikalische Begleitung übernahmen Mark Schwarzmayr am Saxophon in St. Johannis und Prof. Daniel Beckmann an der Orgel in St. Martin. Die Lesungen der biblischen Texte übernahmen Chris Lidy und Marie-Christin Schreiber. Es sei gerade die Verschiedenheit, die beide Konfessionen nicht voneinander trenne, sondern sie füreinander interessant mache, und gerade darin können beide Seiten viel voneinander lernen, so das Fazit der Referenten.

Text:Gregor Ziorkewicz