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01.07.2017

Evangelischer Kirchenpräsident begrüßt „Ehe für alle“

Volker Jung: „Lange Geschichte der Diskriminierung geht zu Ende“

Darmstadt, 30. Juni 2017. Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat die Entscheidung des Deutschen Bundestags zur „Ehe für alle“ begrüßt. Damit ginge eine „lange Geschichte der Diskriminierung zu Ende“, sagte Jung am Freitag (30. Juni) in Darmstadt. Nach Worten des leitenden Geistlichen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) stärkt der Beschluss zudem die Ehe „als Schutzraum einer verbindlichen, verlässlichen und verantwortungsvoll gelebten Partnerschaft“. Jung: „Die ‚Ehe für alle‘ schwächt nicht die Ehe, wie manche befürchten, sondern stärkt sie in ihrer Eigenschaft als eine auf Dauer angelegte und verantwortungsvoll gelebte Verbindung zweiter Menschen.“

Konsequente Weiterentwicklung des Verständnisses
In der Entscheidung hat sich nach Jung auch „eine konsequente Weiterentwicklung der Neubewertung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften widergespiegelt, die sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten mit guten Argumenten mehr und mehr durchgesetzt hat und für die es auch aus christlicher Sicht gute Gründe gibt“. Auch wenn die Entscheidung jetzt schnell kam, seien doch lange Diskussionsprozesse vorangegangen. Gut sei es gewesen, der Gewissensentscheidung besonderen Raum zu geben. „Dies schließt auch den Respekt für diejenigen ein, die aus Gewissensgründen gegen das Gesetz gestimmt haben.“ Schade wäre es, wenn  angesichts der politischen Situation im Jahr der Bundestagswahl das neue Gesetz so beurteilt würde, als hätten, „allein parteitaktische Überlegungen die schnelle Entscheidung des Parlaments herbeigeführt.“, so Jung. Dies wäre umso bedauerlicher, da die „Ehe für alle“ heute bereits offenbar eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung gefunden habe.

Hessen-Nassau Pionier in Fragen der Gleichstellung
Jung zählt in der evangelischen Kirche bundesweit zu den Pionieren, die eine Gleichstellung von homosexuellen Menschen immer wieder forderten. Er war beispielsweise vor vier Jahren mitverantwortlich für ein Orientierungspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit einer neuen Sicht auf Ehe und Familie, das öffentlich kontrovers diskutiert wurde. Die hessen-nassauische Kirche war 2013 zudem die erste Gliedkirche der EKD, die die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare mit der traditionellen Trauung gleichstellte. Zuvor waren bereits seit 2002 Segnungen von eingetragenen Partnerschaften möglich. Für ihr Engagement gegen Homophobie erhielt die hessen-nassauische Kirche 2016 den europäischen „Tolerantia Award“. Kirchenpräsident Jung wurde für sein Engagement mit der „Kompassnadel“ des Schwul-Lesbischen Netzwerkes Nordrhein-Westfalen  sowie 2015 mit dem Ehrenpreis des Bundesverbands der Lesben und Schwulen in der CDU/CSU.. ausgezeichnet.