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27.06.2017

Lebendige Lesung aus dem Roman "Der Protestant"

1. Veranstaltung der Reihe "Das Dekanat liest ein Buch"

Als Druckermeister aus der Reformationszeit entführte der Theologe und Schriftsteller Michael Landgraf die zahlreich erschienenen Gäste in der Bibliothek des Schulzentrums Wörrstadt anhand seines historischen Romans „Der Protestant“ in die spannende Zeit Martin Luthers.

Diese Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Das Dekanat liest ein Buch“ statt, zu der das evangelische Dekanat in Zusammenarbeit mit Bibliotheken und Buchhandlungen im Reformationsjahr 2017 einlädt.

Lebendig, packend und historisch absolut versiert verstand es Michael Landgraf, die Zeit dieser tiefgreifenden Umwälzungen anschaulich zu machen. Er nahm die Gäste bei der Hand, führte sie zum kurpfälzischen Hof und zum Reichstag nach Worms, wo Luther 1521 seine Thesen verteidigte – ein Moment, in dem man die berühmte Stecknadel fallen hörte.
Eingebettet in die dramatischen Erlebnisse jener Zeit ist die Geschichte des Jakob Ziegler aus Neustadt, der hautnah die Umstürze und Brüche der damaligen Zeit erlebte und als intelligenter Sohn eines Weinhändlers die Lateinschule besuchen durfte, die ehedem nur Söhne aus höheren Schichten vorbehalten war.
„Mädchen und Frauen zählten nichts in der damaligen Zeit. Sie hatten keine Rechte“, klärte Michael Landgraf auf.
Der Schlüssel zur Buchdruckerkunst war das Prinzip der Weinpresse, nach wie vor beheimatet in der mittlerweile Rheinhessen und Pfalz benannten Region. Mithilfe des Buchdrucks konnten so die Ideen der Reformation verbreitet werden und in die Köpfe und Herzen der Bevölkerung eindringen.
Vor der Reformation wurden als Zeichen des Glaubens überwiegend Ablassbriefe gedruckt und verkauft. Sie brachten den Augustinermönch und späteren Reformator in Rage.
Auch gab es bereits vor Luther 18 deutsche Bibelausgaben, doch seine Übersetzung ins Deutsche war die bahnbrechende – weil für das Volk zugängliche und lesbare – Version.
Fehderechte für Ritter, Landfrieden und Landfriedensbruch, Ämterkauf durch Gelder aus dem Ablasshandel, die den Bischof von Brandenburg und Halberstadt auch gleichzeitig zum Bischof von Mainz machten…, waren gängige Praxis damals.
Das in Speyer erschienene Buch „Der Hexenhammer“ lieferte die Vorgaben für Hexenprozesse und Hexenverbrennungen. Die Schilderungen und Bilder von Scheiterhaufen zeigten verheerende Wirkung.
Michael Landgraf erläuterte, wie Jakob Ziegler in der bewegten Zeit des 16. Jahrhunderts erfährt, wie der reformatorische Gedanke Neuorientierung und Sicherheit im Glauben bringen kann.

Geschickt verstand es der Theologe, nicht allzu viel vom Handlungsverlauf seines Romans preiszugeben, schließlich sollten die Gäste ja nicht um den eigenen Lesegenuss gebracht werden.
Wer wollte, konnte sich am Ende der Veranstaltung sein Exemplar des Romans vom Autor signieren lassen.

Text und Fotos: Luise Lutterbach

Gruppenfoto (von links): Manuela Berwanger, Leiterin der öffentlichen Bibliothek im Schulzentrum Wörrstadt; Autor Michael Landgraf; Dr. Auernheimer, Leiter der Fachstelle Bildung im Dekanat Wöllstein