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09.01.2018

Neujahrsgruß von Dekan Harald Storch

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Neujahrsgebet der koptisch-orthodoxen Christen (Ägypten)


Herr, lass es ein gesegnetes Jahr werden.
Ein Jahr, in dem wir dir wohlgefällig sein können.
Ein Jahr, in dem dein Geist herrscht und in unserer Arbeit mitwirkt.
Nimm uns bei der Hand und leite unsere Gedanken vom Anfang des Jahres bis zu seinem Ende.
Herr, sei bei uns bei all unserer Arbeit, die wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben.
Wir werden still sein, und du wirst alles tun.
Gib uns Frieden und innere Ruhe.
Gib denen, die in Not sind, dessen sie bedürfen.
Heile die Kranken und tröste die Betrübten.
Wir bitten dich, unser Gott, nicht nur für uns selbst,
sondern wir bitten dich für alle,
denn sie sind dein.
Du hast sie erschaffen, damit sie sich an dir erfreuen.
Wir bitten dich für unser Land,
um Frieden in der Welt,
dass dein Reich überall anbreche.
Lass dieses Jahr ein fruchtbares Jahr sein, ein Jahr voller Güte.
Wir danken dir, oh Gott, denn du hast uns bis zu dieser Stunde behütet und hast uns dieses Jahr geschenkt. Wir haben Grund, dich zu preisen.
AMEN.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

der Wittenberger Reformator war 1521 nicht zum ersten Mal in unserer Gegend. Bereits im April 1518 kam er nach Heidelberg zu einem Disput innerhalb seines Ordens.
Er hat dazu eine Reihe von Thesen aufgestellt. Deren 21. lautet: Theologus gloriae dicit Malum Bonum et Bonum Malum. Theologus crucis dicit id quod res est. Der an Ruhm und Größe Orientierte – letztlich am Schönreden – der nennt das Schlechte gut und das Gute schlecht. Der Kreuzestheologe sagt wie es sich wirklich verhält. Den letzten Satz hätten Calvin oder Melanchton und etliche von Luthers Gegnern vermutlich in eleganterem Latein formuliert, für die Übersetzung würde ich ihn aber noch weiter ruhrdeutsch zuspitzen: „Wer sich ans Kreuz hält, sacht wat Sache is“. Denn darum geht es: das Kreuz verankert uns fest in der Wirklichkeit, in einer Welt von Leiden, Gewalt und Widersprüchen. Bis auf den heutigen Tag.

Wenn wir aufs Kreuz blicken, dann können wir uns die Welt nicht schön reden. Wir sagen eben: „wat Sache is“. Gott schwebt nicht über den Dingen, er hat sich am Kreuz abgelitten an den Widersprüchen dieser Welt und ist uns gerade so nahe. Von daher ist der Blick auf den gekreuzigten Christus die gemeinsame Mitte unseres Glaubens; ein Blick auf unsere gemeinsamen Wurzeln. In gewisser Weise ist das selbst in der größten Härte der Auseinandersetzung um Luther nicht ganz aus dem Blick geraten. Denn die genannte These zur Theologie des Kreuzes ist gerade nicht unter den von päpstlichen Theologen verurteilten Sätzen!

Der Blick aufs Kreuz konfrontiert uns mit der Härte der Wirklichkeit, lässt uns sehen „wat Sache is“. Der Text aus dem Johannes Evangelium (3, 14-17) verbindet dies mit einem Abschnitt aus dem Ersten Testament: der Schlange auf der Stange aus 4. Mose (Numeri) 21.

Die Schlangen plagen das Gottesvolk nach endlosen Beschwerdereden. Aber wessen Blick sich an der aufgestellten Schlange vorbei nach oben wendet, nach oben gezogen wird, den rettet Gott. Wir werden nicht festgehalten bei den Folgen unserer Fehler, Gottes Güte hebt unseren Blick wieder zu seiner Verheißung. Das Kreuz ist auch Erhöhung und neue Hoffnung. Dann müssen wir dem nicht mehr ausweichen „wat Sache is“.
Das Kreuzes- und Auferstehungsfenster in der Dreifaltigkeitskirche erinnert an dieses besondere Schlangenbild ebenso wie ein Fenster hier im Dom. Wir können uns dem Gewesenen stellen und gleichzeitig auf Gottes Erbarmen mit uns allen hoffen, auf einen neuen Anfang.

Gottes Friede, der höher ist als alle Vernunft, behüte und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen