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29.11.2018

Einigkeit im Geiste

Herbstsynode des Dekanats tagt in Wöllstein

Präses Emrich

Frau Dr. Martin hat ihr 2. theologisches Examen bestanden

Prof. Dr. Wolfgang Breul referiert

Pfarrer Tobias Kraft referiert

Auszählung der Stimmzettel

Joachim Müller ist in den DSV gewählt

Werbung für die Kirchentage 2019 und 2021

Zur Stärkung in der Pause

Gespräche am Rande

Gespräche am Rande

In der Herbstsynode 2018 des Dekanats Wöllstein erinnerten sich die Synodalen an Schwierigkeiten und Herausforderungen, die es für die Evangelische Kirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu bewältigen gab.

Eröffnet wurde die 6. Tagung der 12. Dekanatssynode mit einem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Wöllstein, geleitet von Pfarrer Georges Cezanne, der von der Kirchenleitung mit Wirkung vom 01.01.2019 zum Pfarrer auf Lebenszeit berufen wurde.
Man solle den Geist einer Synode, einer Gemeinde, nicht in den Hintergrund treten lassen, so seine Worte zum Auftakt.

Im Anschluss an den Gottesdienst tagte die Synode im Evang. Gemeindehaus weiter.
200 Jahre Wörrstädter Beschlüsse und die Kirchenunion, das war das Hauptthema der Synode. Hierzu referierten Prof. Dr. Wolfgang Breul aus Mainz und Pfarrer Tobias Kraft aus Nieder-Wiesen. 1818 bearbeiteten 21 Vertreter der reformierten und lutherischen Kirche die „Wörrstädter Beschlüsse“ und legten damit die Grundlage der unierten Evangelischen Kirche in Rheinhessen.
Professor Dr. Wolfgang Breul von der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz referierte über die Vereinigung beider Konfessionen in Deutschland, und Pfarrer Tobias Kraft sprach über die Union speziell in Rheinhessen und zog sehr anschauliche Parallelen zu aktuellen Problemen der lokalen Evangelischen Kirche.

Bemühungen, beide Konfessionen zu vereinigen, gab es schon im 16. Jahrhundert, doch erst bestimmte Voraussetzungen, sowohl innerkirchliche, wie den Pietismus und die theologische Aufklärung im 18. Jahrhundert, als auch außerkirchliche Einflüsse, verursacht z.B. von der Französischen Revolution und der Hungersnot im Winter 1816/1817, machten eine Union überhaupt erst möglich. Nach den Siegen der Befreiungskriege war die Stimmung positiv, trotz der vielen Nöte und vielleicht auch gerade, weil das Land einem religiösen Flickenteppich gleich war, und viele Menschen hofften auf Einigkeit. Immer öfter kam die Frage auf: „Ja wo ist denn eigentlich der Unterschied zwischen Reformierten und Lutherischen?“

Konfessionsfehden – Pfarrer Kraft erzählte sehr anschaulich von den beiden 3 km entfernten Gemeinden Nieder-Wiesen und Bechenheim und der Zollschranke – traten in den Hintergrund. Die Folge dieser Kirchenunion war zwar eine dritte Evangelische Kirche, nämlich die Unierte, und auch wenn es mancherorts noch Zwistigkeiten in der Umsetzung gab, brachte die Einigkeit doch viele Vorteile, nicht zuletzt auch für die beiden rheinhessischen Gemeinden. Denn Mischehen, also gemischtkonfessionelle protestantische Ehen z.B. zwischen Eheleuten aus dem lutherischen Bechenheim und dem reformierten Nieder-Wiesen, führten nicht mehr zu erbitterten Fehden. Seit 1822 gibt es in Rheinhessen nur noch die  evangelisch-christliche Kirche, die Unierte.

Präses Emrich waren diese beiden Vorträge besonders wichtig, um sich an diesen Geist der Union zu erinnern, besonders auch im Hinblick auf die bevorstehende Fusion zweier Dekanate.

Nach den interessanten und anschaulichen Vorträgen wurde Betriebswirt und Physiotherapeut Joachim Müller an diesem Abend mit 34 von 36 Stimmen als neues Mitglied in den Dekanatssynodalvorstand gewählt.
Dekanin Monika Reubold sprach zwei bevorstehende Kirchentage an. Sie lud alle Interessierten zum Evangelischen Kirchentag vom 19. bis 23. Juni 2019 in Dortmund ein und bat um Themenvorschläge zur Mitgestaltung des Ökumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt/Main.
Präses Emrich berichtete davon, dass die Pfarrstelle Wendelsheim/Eckelsheim ab 01.01.2019 vakant ist, weil Pfarrerin Margarete Geißler aus dem Dekanat Wöllstein nach Wiesbaden wechseln wird.
Am 2. Adventssonntag wird sie offiziell verabschiedet.

Ein nach wie vor brennendes Thema für alle Synodalen ist die Fusion des Dekanats Wöllstein mit dem Dekanat Alzey zum 1. Januar 2020. Der äußere Rahmen zeichnet sich inzwischen ziemlich klar ab, in Bezug auf das Inhaltliche sind die Fusionsverhandlungen noch schwierig.
Dem Dekanatssynodalvorstand ist es wichtig, im Geiste des wohlwollenden Miteinanders die gelebte Kultur im Dekanat Wöllstein und das, was über Jahre aufgebaut wurde und sich bewährt hat, wie die Frauenarbeit, die Beerdigungskoordination oder den Dekanats-Reformationsgottesdienst, in die Verhandlungen einzubringen und im fusionierten Dekanat zu erhalten.
Und da diese Herbstsynode die letzte Synode des Dekanats Wöllstein in dieser Form war – denn schon die Frühjahrssynode am 12. April 2019 wird gemeinsam mit dem Dekanat Alzey stattfinden –, war es allen Teilnehmern wichtig, gesprächsbereit zu sein und sich auf die kommende Synode gut vorzubereiten. Mut zu haben und die Vorbildfunktion der Kirche ernst zu nehmen, das rät eines der Mitglieder.
Auch der Jugend ist es wichtig, als Teil der Fusion gesehen zu werden, und damit auch ein Bewusstsein für die Probleme der Jungend-Fusion zu schaffen.
Pfarrer Stefan Koch aus Wörrstadt berichtete über die Zusammenlegungen von Verwaltung, die künftig Pfarrer in administrativen Aufgaben entlasten sollen.

Zum Ende der letzten Synode in dieser Form erinnerte Präses Herbert Emrich noch einmal an die Eingangsworte von Pfarrer Cezanne, die zum Nachdenken anregen sollen. Den Geist der Einigkeit, den Geist der Union, den Geist der Gemeinschaft – nicht vergessen!

Text: Jennifer Gesslein
Bilder: Johannes Loos, Evang. Kirchengemeinde Wöllstein