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07.03.2018

Unerfüllter Kinderwunsch - ein Tabuthema mitten im Leben

In der Wörrstädter Predigtreihe "Unsere Gesundheit" wird das Tabuthema thematisiert und diskutiert

Familientherapeutin Dr. Petra Thorn

Pfr. Koch, Dr. Thorn, Silke Scheeve, Harald Scheeve

Dr. Thorn, Pfr. Koch, Moderator Harald Scheeve

Wenn der Traum von der eigenen Elternschaft platzt, ist das für die Betroffenen oft ein langer Leidensweg. Ein unerfüllter Kinderwunsch stürzt viele Paare und Alleinstehende in eine Krise, mit der sie erst lernen müssen, umzugehen. Diesem Thema widmete sich die erste Veranstaltung in der diesjährigen Wörrstädter Predigtreihe „Unsere Gesundheit“ in der evangelischen Laurentiuskirche.

Von der Not der kinderlosen Hanna erzählt schon die Bibel. Die Wünsche und Ängste der Betroffenen sind allerdings auch tausende Jahre später noch die gleichen, erzählt die Familientherapeutin und Buchautorin Dr. Petra Thorn aus ihrer Praxis. Sie ist als Expertin zum Thema geladen und steht im Gottesdienst Pfarrer Stefan Koch, Moderator Harald Scheve und der Gemeinde Rede und Antwort. „Die Menschen wünschen sich den emotionalen Austausch im Alter“, sagt sie. Kinder bedeuten für viele emotionale Stabilität und auch Erfüllung. Dazu fragen sie sich: „Bin ich überhaupt eine richtige Frau, wenn ich nicht Mutter werden kann? Bin ich ein echter Mann, wenn ich keine Kinder zeugen kann?“ Pfarrer Koch erzählt in seiner Predigt, den Weg des fiktiven, modernen Paars Hanna und Christoph nach, deren Sehnsucht nach einem gemeinsamen Kind unerfüllt zu bleiben scheint. In verteilten Rolle lesen er und Gemeindemitglied Silke Scheve die Gedanken des Paares vor: „Hanna“ und „Christoph“ sehen sich in Frage gestellt. Sie erleben, wie die Krise ihr Selbstverständnis als Mann und Frau, als Paar und Familie erschüttert und suchen nach Antworten. Der Vergleich mit Jesus, der selber keine Kinder hatte und die Erkenntnis, dass es auch für Christen keinen Zwang zur Elternschaft gibt, macht ihnen etwas Mut. Aber kann man den Kinderwunsch einfach so loslassen?

Einfach sei das mit Sicherheit nicht, berichtet die Expertin Dr. Petra Thorn, die in ihrer Mörfeldener Praxis Klienten mit Kinderwunsch berät. In den Medien würden die positiven Geschichten überproportional dargestellt, die Betroffenen müssten aber ihre „eigene Antworten entwickeln und Wege finden“, sagt sie. „Dazu sprechen wir auch Alternativen durch und es ist wichtig, dass sie auch schon einen Plan B in der Tasche haben.“

Immer mehr Menschen sind betroffen und suchen in diesem Thema Unterstützung, so ist ihre Erfahrung. Dabei „ist Unfruchtbarkeit gesellschaftlich immer noch ein Tabuthema“, sagt die Therapeutin. Umso wichtiger sei es, dieses Thema anzusprechen, aus der Tabuzone herauszuholen und auch in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Dadurch wachse bei allen auch eine Sensibilität im Umgang mit den Mitmenschen.

Von der Idee, den unerfüllten Kinderwunsch zum Thema eines Gottesdienstes zu machen, war Frau Dr. Thorn sofort angetan. Wenn es nach ihr ginge, wünschte sie sich von der Kirche auch Übergangsrituale und Gottesdienstformen für kinderlose Familien. Pfarrer Stefan Koch verspricht, diese Idee in den Kollegenkreis mitzunehmen. „Auf die Idee, das Thema ‚unerfüllter Kinderwunsch‘ überhaupt in die Predigtreihe ‚Unsere Gesundheit‘ aufzunehmen, bin ich erst durch die biblischen Texte gekommen“, erzählt der Wörrstädter Pfarrer. „Ich hätte nicht erwartet, wie viel dieses Thema auslöst. Bei mir und bei anderen.“

Das Paar aus seiner Predigt, Hanna und Christoph, will schließlich Kinder als Gottesgeschenk aus Gottes Hand annehmen, aber auch loslassen können. „Let God, let go!“ heißt es zum Schluss. Ihr Weg ist also Gottvertrauen. Eine Möglichkeit.

Der nächste Gottesdienst in der Evangelischen Laurentiuskirche am 11. März dreht sich um das Thema Be- und Entlastung des Herzens. Als Experte ist der Internist Dr. Hauth aus Alzey geladen, der, in den Gottesdienst eingebunden, Einblicke und Auskünfte gibt.