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23.01.2018

"Ich will doch nur spielen"

Spielleitertraining im Rahmen des Juleicakurses des Dekanats Wöllstein

Wenn alle mitmachen, dann kann eine Gruppe große Herausforderungen meistern. Das erlebten die zukünftigen Gruppenleiter und Juleica-Absolventen aus dem Dekanat Wöllstein auf dem Spieleseminarwochenende in der Jugendherberge Altleinigen am eigenen Leib.

Insgesamt sechs Monate lang engagieren sich die Jugendlichen, elf Mädchen und vier Jungen zwischen 16 und 18 bei regelmäßigen Treffen und Wochenendseminaren und schlüpfen immer wieder in die Rolle des Gruppenleiters.
Denn „Gruppen leiten will gelernt sein“, weiß die Jugendreferentin Sabine Göhl, die mit der Evangelische Jugend im Dekanat Wöllstein jedes Jahr diesen „Juleica“-Kurs anbietet. Fester Bestandteil des Kurses ist ein Wochenende unter dem Motto „Ich will doch nur spielen“. Referent dafür ist Dirk Lammers, Spieletrainer und Theologe, der aus seinem großen Repertoire und seinen vielen mitgebrachten Kisten immer wieder Neues, Spannendes an Aufgaben und Materialien zaubert. Gemeinsam mit der Jugendreferentin und zwei der früheren Absolventen des Juleica-Kurses gestaltet er dieses Wochenende.

„Ich will doch nur spielen“ - was harmlos klingt, hat für den Gruppenprozess große Wirkung. So gibt es viele Aufgaben zu bewältigen, bei denen die Lösung eben nur gefunden werden kann, wenn alle mitmachen. Manches scheint dabei auf den ersten Blick ganz einfach, ist aber dann wirklich knifflig: Ein geöffneter Zollstock liegt zunächst auf je einem Finger der Teilnehmenden und soll dann gemeinsam auf den Boden gelegt werden. Doch stattdessen schwebt das Objekt erst in die Höhe. Bis es schließlich auf dem Boden landet, ist jede Menge Einfühlungsvermögen aller Beteiligten erforderlich. Die Aufgabe „Litfaßsäule“ erweist sich als gute Möglichkeit des besseren Kennenlernens untereinander. Auf drei verschiedenen Zetteln können Vorlieben, Meinungen, Empfehlungen notiert werden, doch eine davon trifft überhaupt nicht zu. Diese soll von den anderen Teilnehmenden herausgefunden werden. Spannend für jeden ist dabei, was die gesamte Gruppe dann zurückmeldet.

„Mir ist es wichtig, dass die Teilnehmenden viele Übungen kennenlernen und sich auch in der Spielleiterrolle ausprobieren können“, sagt Sabine Göhl. Lea Krollmann ist die erste, die ein Spiel anleitet. Präzise und verständlich erklärt sie der Gruppe das „Kissenrennen“, das sich gut als „opener“ eignet, um Gruppen zum Zusammenhalt zu motivieren. „Ich war erst ein bisschen aufgeregt, weil ich das noch nie gemacht habe, doch dann hat es gut geklappt und es war dann ein schönes Gefühl“, sagt Lea, die auch für ihre Anleitung positive Rückmeldungen aus der Gruppe erhält.

„Spiele eignen sich auch, um Situationen, die Jugendliche häufig erleben, zum Thema zu machen,“ ist Dirk Lammers überzeugt. Der „Gemeinheiten Schutzring“ zeigt auf, dass es bei Gemeinheiten, denen man ausgesetzt ist, auch Möglichkeiten gibt, jemanden vor dem Angreifer zu schützen oder die Provokation abzuwehren. Ruhiger geht es zu bei der „Cool down“ Übung, bei der es um Stärkung der Wahrnehmung geht. Wie viele Klammern kann die Gruppe einer Person anheften die mit geschlossenen Augen in der Kreismitte steht? Den größten Spaß haben die meisten bei der Aufgabe der „Blinden Verteidigung“. Eine Person, die blind und mit vielen Wäscheklammern an der der Kleidung auf einem Stuhl sitzt, kann sich mit einer Schwimmnudel gegen das Klauen der Klammern zur Wehr setzen. Wenn sie trifft, darf die Klammer nicht abgenommen werden.

Dass man gut zum Ziel kommt, wenn die Zusammenarbeit klappt, kann die Gruppe häufiger erleben. Zum Beispiel beim Bau einer Kugelbahn aus Wasserleitungsrohren aus dem Baumarkt oder bei dem Rätsel, wie 20 Nägel auf einem Nagelkopf halten können. Am Ende des Wochenendes steht dann die Vertrauensprobe. Gelingt es der Gruppe mit Holzstäben eine Brücke zu bauen, die mich trägt? Mit der besonderen Erfahrung, dass die Gruppe eine stabilen Weg bauen kann, den die Teilnehmer auch begehen können, endet ein ereignisreiches Wochenende.

Viel Neues haben die Teilnehmenden gelernt, sagen sie in der Abschlussrunde und doch noch mehr selber ausprobieren wollen sie. Dazu gibt es noch Gelegenheit bei den weiteren Treffen immer donnerstags in Badenheim.

Text: Sabine Göhl/Margarete Geißler
Bilder: Sabine Göhl