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15.11.2018

„Gewalt hat eine Geschichte“

Projektpräsentation und Preisverleihung an der Landskronschule Oppenheim

Schirmherr Klaus Hagemann

„Wir möchten alle zum Nachdenken bewegen“, so das schlichte Fazit von Johanna Stein, Mitglied des Oppenheimer Geschichtsvereins und Koordinatorin des Jugendprojektes „Gewalt hat eine Geschichte“. Für die feierliche Preisverleihung an der Landskronschule Oppenheim, am 9. November, 80 Jahre nach der Pogromnacht, hatten neun Schüler- und Jugendgruppen herausragende Beiträge zur Gedenkarbeit eingereicht. Vorausgegangen sind intensive Projektwochen, bei denen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Themen Gewalt, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit auseinandergesetzt haben. Ziel des Projektes ist es, eine neue Gedenkkultur zur Pogromnacht von 1938 zu entwickeln und diese in Schulen und Jugendverbänden zu verankern. Dabei soll die Erinnerung wach gehalten werden, um Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung entgegenzuwirken. Ein wichtiger Baustein zur Menschenrechtserziehung. Denn, so die frühere Lehrerin Stein, die auch durch das Programm führte, heute sei es aufgrund gesellschaftlicher Veränderungsprozesse „wichtiger denn je“, sich für Menschenrechte und Demokratie einzusetzen.

Schirmherr seit Projektstart in 2012 ist Klaus Hagemann, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Osthofen und ehemaliger MdB. Bei der diesjährigen Präsentation der Beiträge beteiligten sich die Carl-Zuckmayer-Realschule Plus Nierstein, das Gymnasium Nackenheim, das Gymnasium zu St. Katharinen Oppenheim, die Integrierte Gesamtschule Oppenheim (IGS) und die diesjährige Gastgeberschule, die Landskronschule Oppenheim. Zudem reichten zwei Konfirmandengruppen ihre Beiträge ein: Dienheim-Ludwigshöhe und Oppenheim.

Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung entgegenwirken

Ob Videobeitrag, Schattentheater oder ein Bericht über den Besuch des KZ Osthofen, die Jugendlichen haben sich nicht nur rückblickend mit den Themen beschäftigt – allen voran steht der Blick nach vorne. Was also tun bei zum Beispiel Mobbing, Diskriminierung und Ausgrenzung im Schulalltag? Die Schüler- und Konfirmandengruppen fanden ihre ganz eigenen Antworten, für Klassenkameraden einzustehen und sie zu integrieren. So etwa beim Videobeitrag „Gewalt“ der Klasse 9 der Landskronschule Oppenheim, umgesetzt als Schattentheater. Oder etwa bei der Vorstellung des Schülercafés „Café Carl“ der Carl-Zuckmayer-Realschule Plus Nierstein. Anhand des eingereichten Videos mit dem Titel „Unsere Werte gegen Ausgrenzung“ machten sie klar ihre Haltung deutlich: Zusammenhalt, Respekt, Vertrauen, Wut unter Kontrolle halten, Reflexionsfähigkeit, Umwelt- und Tierschutz und Selbstvertrauen.

Andere Projektbeiträge beschäftigten sich mit dem Thema „Menschenhandel“ (IGS Oppenheim) oder der Frage „Darf ich im Notfall töten?“ (Konfirmandengruppe Dienheim-Ludwigshöhe). Die katholische und evangelische Religionsgruppe der Carl-Zuckmayer-Realschule Plus Nierstein besuchte im Projektzeitraum das KZ Osthofen und berichtete über ihre Eindrücke. Ebenso referierte die Konfirmandengruppe aus Oppenheim über ihren beeindruckenden Besuch im „Haus des Erinnerns – für Demokratie und Akzeptanz“ in Mainz. Das Nackenheimer Gymnasium reichte gleich zwei Projekte ein, über die sie referierten: „Friedensstifter Bundeswehr“ und „Von der 68er Bewegung zur RAF – Gefahr oder Aufbruch zu mehr Demokratie?!“ Was genau am 9. November in der jüngeren Geschichte Deutschlands geschah, darüber informierte die Schülergruppe des Gymnasiums zu St. Katharinen Oppenheim mit dem Titel „9. November – Schicksalstag der Deutschen“.

Aus der Erinnerung für die Zukunft lernen


Die Vielzahl und Unterschiedlichkeit der eingereichten Projekte beeindruckte auch Dr. Claudia Roggensack, Rektorin der Landskronschule Oppenheim mit den Förderschwerpunkten ganzheitliche Entwicklung, Lernen und Sprache. „Schön, dass die heutige Veranstaltung solch eine große Resonanz hat“ so Roggensack in ihrer Begrüßungsrede zu den Schüler- und Jugendgruppen sowie zu den zahlreich erschienenen Gästen aus Kirche und Politik. Dies zeige, dass es Zeit sei innezuhalten und aus der Erinnerung etwas lernen zu können. Umrahmt wurde das informative, zweistündige Programm von musikalischen Schülerbeiträgen, vorgetragen vom Schulchor und begleitet von der Schulband.

Ehrung aller Jugendgruppen

Als Zeichen der Anerkennung für ihr herausragendes Engagement überreichte Schirmherr Klaus Hagemann gemeinsam mit Johanna Stein und Jürgen Salewski Urkunden und kleine Preise für alle. Dabei wurde bewusst keine Platzierung vorgenommen. Bereits im Frühjahr 2019 wird es eine neue Ausschreibungsrunde geben. Rechtzeitige Informationen sowie Anmeldemöglichkeiten hierzu finden sich auf der Internetseite des Jugendhauses unter www.jugendhaus-oppenheim.de.

Der Oppenheimer Geschichtsverein, das Jugendhaus Oppenheim in Trägerschaft des Evangelischen Dekanates und die Gedenkstätte KZ Osthofen kooperieren von Beginn an bei diesem außergewöhnlichen Projekt. Die Hauptkoordination liegt bei Jürgen Salewski, Leiter des Oppenheimer Jugendhauses, dem Johanna Stein in ganz besonderem Maße dankte. Ohne den unermüdlichen Einsatz und die Organisation des Diplom-Pädagogen sei das Projekt kaum umzusetzen. Das Jugendhaus fungiert dabei als zentrale Anlauf- und Kontaktstelle für die Schulen sowie für die Pfarrerschaft der beteiligten Konfirmandengruppen aus den Kirchengemeinden des Dekanates – von der Projektausschreibung über die Organisation, Materialausleihe bis hin zur fachlich-pädagogischen Beratung und Begleitung der Projektbeiträge. Ein Dank gilt auch den weiteren Kooperationspartnern, die das Projekt finanziell unterstützen und somit zum wesentlichen Gelingen beitragen: der Fachbereich Jugendarbeit des Zentrum Bildung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), der Kriminalpräventive Rat der VG Rhein-Selz und der Fachbereich Prävention des Landkreises Mainz-Bingen.

Kontakt
Jugendhaus Oppenheim (Evangelisches Dekanat), Rheinstraße 43, 55276 Oppenheim, Telefon 06133 4188, info(at)jugendhaus-oppenheim.de

 

Fotos:  eöa/Leone