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01.10.2018

Mut zum christlichen Leben

„Zukunft Kirche?!“: Niersteiner Podiumsdiskussion zum Thema Ökumene mit prominenten Gästen

v.l.n.r: Dekan Michael Graebsch, Journalistin Gundula Gause, Weihbischof Dr. Udo Bentz

Podiumsdiskussion zum Thema "Zukunft Kirche?!" in Nierstein

Über 160 Gäste nahmen am Gesprächsforum des Niersteiner Arbeitskreises Ökumene teil.

Mit dem Titel „Zukunft Kirche?!“ war ein Gesprächsforum überschrieben, zu dem der Arbeitskreis Ökumene in Nierstein eingeladen hatte. Prominente Gäste waren der Mainzer Weihbischof und Generalvikar des Bistums, Dr. Udo Bentz, und Journalistin Gundula Gause, vielen bekannt als Moderatorin und Autorin. Sie kamen ins Gespräch mit Michael Graebsch, Dekan des Evangelischen Dekanates Oppenheim und Otto Schätzel, der die Diskussionsrunde moderierte. Gut 160 Besucherinnen und Besucher nahmen sich Positionen, Ideen und Anregungen für den Glaubensalltag mit.

Antworten auf drängende Fragen der Zeit für Kirche und Gesellschaft zu finden ist ein Anliegen der Veranstaltungsreihe, die der Arbeitskreis Ökumene der beiden Niersteiner Kirchengemeinden 2017, zum Lutherjahr, gestartet hatte. Große Herausforderungen bringen die demographischen Entwicklungen mit sich, das unterstrichen alle auf dem Podium. Deutliche Rückgänge befürchtet das Bistum: Viele Mitglieder sind im Seniorenalter, die Kirchenbindung junger Leute sei nicht mehr so eng. Auch in der evangelischen Landeskirche würden mehr Menschen bestattet als getauft, bestätigte Michael Graebsch. Umso erfreulicher seien die über 3000 Eintritte auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) im Jahr 2017.

Gemeinsam Christsein

Stärker reagieren sollten die Kirchen auf die sich wandelnden Beziehungsmuster, waren sich die Gesprächspartner einig: In den Gemeinden dabei sein, mitgestalten, ja - doch ohne das Gefühl, vereinnahmt zu werden. In sozialen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen in kirchlicher Trägerschaft müsse noch mehr Interesse gezeigt werden für die Familien, ihre Sorgen und Nöte. Das „Gespür für das alltägliche Leben“ sollte noch stärker ausgeprägt sein, fand Weihbischof Udo Bentz. Als Beispiel für Kontakte zwischen Jugendlichen, Eltern und Kirche nannte Michael Graebsch die persönlichen Besuche bei Konfirmandenfamilien. Zudem brauche es „Leuchtturmprojekte“ wie die Jugendkirchentage in wechselnden Städten, mit Angeboten an Sport, gesellschaftspolitischem Engagement und um „Christsein miteinander zu leben“. Ein bewährter Ort, um Verbindungen zwischen den Generationen zu stärken, sei auch das Familienzentrum der Stadt Nierstein, merkte Otto Schätzel an.

Glaube leben

Auf evangelischer Seite habe man gelernt, dass es Rituale braucht, die oft tief verwurzelt sind. Die Liturgie wolle man neu schätzen lernen, so Dekan Graebsch, ebenso wie die Kraft von Traditionen, Gebeten und Bekenntnissen. „Da können wir bei unseren katholischen Geschwistern viel lernen.“ Durch gute Ökumene sei auch seine Kirche bereichert worden, sagte Weihbischof Bentz, etwa mit Blick auf evangelisches Liedgut. Die Bedeutung von Bildern und symbolischen Handlungen oder das Charisma des Papstes wirke sich ebenfalls positiv aus. Botschaften kurz und knapp zu vermitteln und schlechte Nachrichten zu vermeiden, diesen Tipp gab Journalistin Gundula Gause den Kirchenvertretern und Aktiven mit. Auch Rückmeldungen aus dem Publikum ermutigten dazu, aus dem Glauben heraus zu leben, mit offenen Augen und Ohren für die Mitmenschen. In dem, was Ökumene ausmacht, komme es neben gemeinsamen Veranstaltungen auf das Alltägliche an.

Fotos: Evangelisches Dekanat Oppenheim