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24.11.2017

Geistliches Konzert zum Ende des Kirchenjahres

Evangelische Kantorei Bodenheim-Nackenheim führt wenig bekanntes Werk auf

Foto: Uwe Ernst

„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Mit diesen Worten begrüßte der evangelische Pfarrer Thomas Schwöbel die Zuhörerinnen und Zuhörer, die am vergangenen Sonntag in die katholische Kirche St. Gereon in Nackenheim gekommen waren, um dem „Geistlichen Konzert zum Ende des Kirchenjahres“ unter der Leitung von Dekanatskantorin Renate Mameli zu lauschen. Pfarrer Schwöbel erinnerte an das Vergehen der Natur, das Abschiednehmen und die Endlichkeit aller Geschöpfe in dieser besonderen Jahreszeit, aber auch an den Trost und die Hoffnung, die der christliche Glaube gerade auch für diese Zeit bereithält.

Sehr herzlich dankte er der katholischen Gemeinde, die nicht zum ersten Mal den evangelischen Geschwistern ihr schönes Gotteshaus zur Verfügung stellten.

Ganz still wurde es dann, als die Evangelische Kantorei Bodenheim-Nackenheim die Motette „Selig sind, die da Leid tragen“ anstimmte. Heinrich von Herzogenberg (1843-1900) schrieb Ende des 19. Jahrhunderts die „Acht Motetten zum Schluß des Kirchenjahres op. 92“ für vierstimmigen Chor a cappella. Vier davon brachte die Kantorei zu Gehör; jede einzelne im dem jeweiligen Bibelzitat angemessenen Duktus: Deutlich hörte man das verhaltene Bitten im „Selig sind“ (Mt 5,4) ebenso wie die bange Verzagtheit in der dritten Motette „Siehe, um Trost war mir sehr bange“ (Jes 38,17a), die sich jedoch im weiteren Verlauf der beiden Musikstücke – „denn sie sollen getröstet werden“ und „Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen“ – hörbar in Trost und Angenommensein verwandelten.

Ganz anders dagegen die zweite „Herr Gott, du bist unsere Zuflucht“ (Ps 90,1-3.12) und vierte Motette „Zu uns komme dein Reich“ (Mt 6,10a), die der Chor mit felsenfester Glaubensgewissheit interpretierte. Die Königsdisziplin des A-cappella-Singens bot der Kantorei reichlich Gestaltungsmöglichkeiten, die sie unter der Leitung von Renate Mameli gekonnt umsetzte.

Es folgten die Orgelwerke „Präludium und Fuge in D-Dur Organo pieno“ und „Andante in D-Dur“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) sowie „Allein Gott in der Höh (Praeambulum festivum)“ und „Nun sich der Tag geendet hat“ von Sigfrid Karg-Elert (1877-1933). Auch diese vier Stücke wurden meisterlich gestaltet, jedes in der ihm eigenen Klangsprache und -farbigkeit. An der romantischen Schlimbach-Orgel brillierte Giuliano Mameli.

Wenig bekannt war das Hauptwerk des Abends, die „Missa festiva op. 154“ des russischen Komponisten Alexander Gretchaninoff (1864-1956) für vierstimmigen Chor und Orgel. Leise und bittend begann die lateinische Messe mit dem „Kyrie eleison“ (Herr, erbarme dich), schwoll an im „Gloria in excelsis Deo“ (Ehre sei Gott in der Höhe), bevor sie in den fast archaisch klingenden, durch Orgel und Männerstimmen klanggewaltig umgesetzten Anfangstönen des „Credo in unum Deum“ (Ich glaube an den einen Gott) sowie im „Sanctus“ (Heilig) ihren Höhepunkt fand.

Sehr zurückgenommen begann danach das „Benedictus“ (Gepriesen), das mit dem „Hosanna“ wieder fulminant, fast triumphal endete. Von transparenter Zartheit und in den Höhen leicht und schwebend erklang schließlich das „Agnus Dei“ (Lamm Gottes), das mit dem pianissimo gesungenen „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden) den musikalischen Bogen zum Beginn der Messe beschrieb, die somit einen wunderbar tröstlichen und bewegenden Abschluss fand.

Für den ausgiebigen und sehr herzlichen Applaus bedankte sich die Kantorei mit dem vierstimmigen „Bleib bei mir, Herr, der Abend bricht herein“, bevor Pfarrer Schwöbel die Gäste und Mitwirkenden mit einem Gebet verabschiedete.

Probentermine Kantorei
Die evangelische Kantorei Bodenheim-Nackenheim probt donnerstags von 19:30 bis 21:00 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum Nackenheim, In den Haferwiesen 2.

Neue Mitsängerinnen und Mitsänger sind herzlich willkommen!