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07.11.2018

Beklemmende und erschütternde Erinnerung

Erwachsenenbildung und Stadtkirchenarbeit an St. Johannis boten Fahrt nach Verdun

Gräberfelder, so weit das Auge reicht. (Foto: Hahnemann/Ziorkewicz)

Ort des Gedenkens: Fleury-devant-Douaumont. (Foto: Hahnemann/Ziorkewicz)

„Ferme“, heißt es auf einem der kleinen, stelenhaften Schilder, „Boulangerie“ auf einem weiteren. Hier stand einst ein Bauernhof, dort eine Bäckerei. Es braucht schon Phantasie, um sich das unfassbare Leid vorzustellen, das über das Dorf Fleury-devant-Douaumont vor mehr als 100 Jahren kam.  Aus Anlass des Endes des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren besuchte eine Gruppe aus dem Dekanat Mainz diesen Ort des Grauens, der zum Symbol wurde für die Sinnlosigkeit des 1. Weltkrieges.

Neun Dörfer nicht wieder aufgebaut
Fleury liegt nordöstlich von Verdun, in der roten Zone der Schlachtfelder,  wo es monatelang nur ein Hin- und Zurück an der Front gab.  Bis zu 500.000 Menschen kamen allein von Februar bis Dezember 1916 ums Leben.  Immer wieder im Granatenfeuer der sich erbittert bekämpfenden Armeen lag das einst 422 Einwohner zählende Fleury-devant-Douaumont.  Der Ort gehört zu den neun „villages detruits“, den zerstörten Dörfern, die nach dem 1. Weltkrieg nicht wieder aufgebaut wurden. Zu viel Kriegsmaterial, zu viele Leichen lagen in der geschundenen Erde. An ein erneutes Bestellen der Felder war gar  nicht zu denken.

Mit Worten und Waffen aufgerüstet
Zu sehen, wie groß das Gebiet war, in dem gekämpft wurde, sei auch heute noch  beklemmend und erschütternd, sagte eine Teilnehmerin der von der evangelischen Erwachsenenbildung und der Stadtkirchenarbeit an St. Johannis angebotenen Fahrt. Nationalstaatliche Überheblichkeit und immenses Aufrüsten mit Worten und Waffen machte die Gruppe als Hintergründe aus. Denn in unzähligen Predigten und Aufrufen war die Bevölkerung auf den Krieg vorbereitet worden, der gerechtfertigt wurde als „Gericht Gottes“ und als „ein reinigendes Gewitter über Europa“.

Krater zeugen von Granateinschlägen
Noch heute zeugen schier endlose Gräben, Krater der Granateinschläge,  zerstörte Forts und Dörfer von dieser Hölle auf Erden. Viele Teilnehmer wussten persönlich von einem Opa oder Uropa zu berichten, der im Krieg geblieben ist, verwundet wurde oder als anderer Mensch wieder zurückkam.


Der Völkerbund in Genf oder die Kirchenkonferenz der evangelischen Kirchen im schwedischen  Uppsala, die es als Aufgabe der Kirche bezeichnete, mit aller Macht Kriegsursachen zu beseitigen, zeugen von ersten Bemühungen, aus dem Leid zu lernen. Einen Freundschaftsvertrag schlossen die ehemaligen Erzfeinde Deutschland und Frankreich jedoch erst nach dem 2. Weltkrieg.  Verdun und Fleury-devant-Douaumont mahnen, diese Freundschaft weiter zu pflegen.