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11.10.2018

“Lutherin“ bleibt von Geheimnissen umwittert

Dr. Sabine Kramer spricht im Evangelischen Dekanat Mainz über die bedeutendste Frau der Wittenberger Reformation

Dr. Sabine Kramer (Mitte) mit Stadtkirchenpfarrer Rainer Beier und Irene Dingel vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte. (Foto: Öffentlichkeitsarbeit Evangelisches Dekanat Mainz)

Hinter jedem großen Mann steckt eine starke Frau, weiß der Volksmund. Und zumindest im Fall von Martin Luther scheint er Recht zu haben. Denn Katharina von Bora, die auch die Lutherin genannt wird, war eine starke Persönlichkeit.

So lautet ein Fazit von Dr. Sabine Kramer. „Auf jeden Fall war sie die bedeutendste Frau der Wittenberger Reformation“, betonte die Direktorin am Evangelischen Predigerseminar der Lutherstadt Wittenberg, die mit einer Arbeit über Katharina von Bora promoviert hat. Auf Einladung von Pfarrer Rai-ner Beier von der Evangelischen Stadtkirchenarbeit und Professorin Irene Dingel vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte sprach  Kramer im Evangelischen Dekanat Mainz über die Lutherin, die „Adelige – Nonne – Ehefrau Luthers – Witwe“.

50 Bücher über "die Lutherin"

Angesichts Katharina von Boras Bedeutung ist es kein Wunder, dass viele Autorinnen und Autoren die 1499 geborene Tochter eines verarmten Adeligen zur zentralen Figur in historischen Romanen und Erzählungen machen. Kramer zählt mindestens 50 Bücher. Darunter Eva Zellers „Die Lutherin“, „Rosen im Schnee“ von Ursula Koch und Wolfgang Liebehenschels „Der langsame Aufgang des Morgensterns von Wittenberg“. Und seit etwa 300 Jahren be-schäftigen sich auch wissenschaftliche Werke mit der Lutherin.

Äußerst dünne Quellenlage

Letzteres ist nicht so einfach, wie Kramer zu berichten weiß. Denn die Quellenlage zu Katharina von Bora ist ausgesprochen dünn. Es gibt lediglich kurze, verstreute Hinweise – oft nur Halbsätze – in rund 500 Briefen, 160 Tischreden, 20 Schriften, die gegen Luther gerichtet sind, und einigen weiteren Dokumenten.

Historiker können aus diesem Quellenmaterial nur dürre Fakten ziehen. Johann Friedrich Mayer machte 1699 den Anfang. „Es ist sein großes Verdienst, dass er als erster Quellen zusammengestellt hat“, so Kramer.

Geburtsort gibt Rätsel auf

Schon die Geburt von Katharina von Bora gibt Rätsel auf, wie die Direktorin berichtet: „Wer ihre Mutter war, können wir nicht sagen.“ Auch der Geburtsort ist umstritten. Zwar sind von den ursprünglich sieben Orten, die für sich in Anspruch genommen haben, die Geburtsstätte der späteren Lutherin zu sein, mit Hirschfeld (bei Nossen) und Lippendorf (bei Leipzig) nur noch zwei übrig.

Doch welcher der wirkliche Geburtsort ist, dürfte wohl nicht mehr geklärt werden. Sicher scheint nur, dass es um 1499 an beiden Orten einen Hans von Bora gab. Einer davon war wohl Katharinas Vater.

Im Kloster Luthers Schriften begegnet

Mit fünf Jahren kam Katharina ins Kloster. Zuerst war sie im Augustiner-Chorfrauenstift Brehna, später im Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen. „Sie könnte Luthers Schriften wahrgenommen haben“, mutmaßt Kramer. Fest steht jedenfalls, dass Katharina von Bora 1523 mit acht weiteren Nonnen spektakulär aus dem Kloster floh – zu Martin Lu-ther.

Der Reformator betätigte sich als Brautwerber für die Frauen, um ihnen eine sichere Existenz zu ermöglichen. Bei der eigensinnigen Katharina scheiterte er allerdings.

Heirat überraschte

Im Juni 1525 heirateten Martin Luther und Katharina von Bora – für viele völlig überraschend. Was den Ausschlag für diese Verbindung gab, ist unklar. Eigentlich sah Luther sich  nicht für die Ehe gemacht. Überzeugt sind Historiker dagegen davon, dass sich Katharina Luther als kluge Geschäftsfrau erwies, die Luthers Hausstand in Wittenberg konsequent vergrößerte.

„Sie war eine kluge Verwalterin“, findet Kramer. Zudem hat sie sechs Kinder bekommen, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten. In der damaligen Zeit keine Selbstverständlichkeit.

Nach Luthers Tod Flucht vor Krieg

Als Luther 1546 unerwartet starb, hinterließ er seiner 16 Jahre jüngeren Frau zwar ein liebevolles Testament, doch konnte Katharina aufgrund der damaligen Rechtslage nur Teile des letzten Willens ihres Mannes durchsetzen. Noch im selben Jahr musste sie vor dem Schmalkaldischen Krieg fliehen. Ihre Ländereien wurden verwüstet.

1447 kehrte sie zurück, doch 1552 floh sie erneut, diesmal vor der Pest. In Torgau verunglückte sie und starb wenig später an den Folgen des Unfalls. Und hier verliert sich ihre Spur. Zwar gibt es ein Grabmonument, doch die genaue Grabstelle in der Torgauer Marienkirche ist unbekannt.

Dr. Sabine Kramers Vortrag ist Teil einer zweiteiligen Veranstaltungsreihe der Evangelischen Stadtkirchenarbeit und des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte. Am Mittwoch, 7. November, 19.30 Uhr, wird im Gemeindesaal der Altmünstergemeinde (Münsterstraße 25) der Fernsehfilm „Katharina Luther“ gezeigt.