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15.08.2018

Was Klamauk mit dem Glauben zu tun hat

Evangelisches Dekanat Mainz präsentiert "Duo Camillo" mit musikalischem Kabarett bei „Mainz lebt auf seinen Plätzen“

Mit lockeren Sprüchen und hintersinnigem Humor rissen Martin Schultheiß und Fabian Vogt von „Duo Camillo“ das Publikum auf dem Karmeliterplatz mit. (Foto: Öffentlichkeits-arbeit Evangelisches Dekanat Mainz)

Martin Schultheiß und Fabian Vogt von „Duo Camillo“ präsentierten sich als perfekt eingespieltes Team. (Foto: Öffentlichkeitsarbeit Evangelisches Dekanat Mainz)

Der Karmeliterplatz war voll, als Martin Schultheiß und Fabian Vogt von „Duo Camil-lo“ auf der Bühne standen. (Foto: Öffentlichkeitsarbeit Evangelisches Dekanat Mainz)

MAINZ. Die ersten Interessierten saßen schon seit mehr als einer Stunde auf dem Karmeliterplatz, da waren die Techniker noch mit dem Aufbau beschäftigt. Als Martin Schultheiß und Fabian Vogt dann als „Duo Camillo“ ihren Auftritt begannen, war der Platz voll.

Mehr als 200 Menschen erlebten bei „Mainz lebt auf seinen Plätzen“ einen vergnüglichen Abend, der durch den später einsetzenden Regen eine besondere Note erhielt. Weil es eine Veranstal-tung des Evangelischen Dekanats Mainz war, begrüßte Dekan Andreas Klodt das Publikum und zitierte sein Lieblingsmotto des Duos, den er bei anderen Auftritten der beiden Kabaret-tisten gehört hatte: „Mehr Zeit und mehr Wein vor dem Amen“.

Lockere Sprüche, Witze und Wortspielereien

Und dann ging es los mit lockeren Sprüchen („Wusstest du, dass ein Pferd stirbt, wenn es von zwölf Diakonissen gestochen wird?“), Witzen und Wortspielereien, mit gesprochenen und gesungenen Texten, teils frech und kritisch, teils zum Nachdenken anregend, immer aber mit Blick auf den Glauben, auf kirchliches Leben und das Leben überhaupt.

Dass  Schultheiß und Vogt zunächst übereinander frotzelten, sorgte für lockere Stimmung auf dem Platz. Vogt über Schultheiß und seine Figur: „Wenn der joggen geht, nennt man das Breitensport. Es lohnt sich, so jemanden dabei zu haben, da sehe ich immer gut aus.“ Schultheiß über Vogt und seine Wortspielereien: „Der leidet an Logorrhoe, also Sprechdurchfall, das ist eine Berufskrankheit. Er ist Pfarrer, seine Kinder kriegen extrem ,pastorisierte‘ Milch.“

"Wo Glaube ist, ist Lachen"

Martin Schultheiß, promovierter Physiker, heute Geschäftsführer eines Großantiquariats und Lehrbeauftragter für musikalische Akustik im Frankfurter Konservatorium, und Fabian Vogt, als Schriftsteller, Künstler und in der Kirchenverwaltung tätig, bringen ganz bewusst ihr Publikum zum Lachen, denn, so zitieren sie Martin Luther, „wo Glaube ist, da ist auch Lachen“ und „wer immer und überall lachen kann, ist der wahre Doktor der Theologie“.

Also versprühen sie Klamauk und Geistreiches, verpacken Texte in vielfältige musikalische Stile  – es sind Stücke aus ihren Programmen „Luther bei die Fische“ und „Altarnative Wahrheiten“ - und setzen mit kabarettistischem Spürsinn feine Nadelstiche unter anderem bei Themen wie dem Ehrenamt in der Kirche („Das Priestertum aller Gläubigen, das heißt doch, die Ehrenamtler sollen die ganze Arbeit machen“), festgefügten Gewohnheiten in Kirchengemeinden, mangelnder Leidenschaft in Gottesdienst.

Thema Tod nicht ausgeklammert

Sie hinterfragen Glaubensideen und festgefügte Vorstellungen – „Gott kann doch kein Mann sein, Gott ist eine Frau“ – und beziehen dabei das Publikum mit ein: Während die Frauen „unbeschreiblich weiblich“ singen, intonieren die Männer „Wer hätte das gedacht? Ach, ach, ach“. Auch das Thema Tod wird nicht ausgeklammert: „Woran merkt man, dass man alt ist? Wenn man sich beim Besuch auf dem Friedhof fragt, ob sich der Heimweg noch lohnt.“
Seit 1990 touren Schultheiß und Vogt, die sich beim gemeinsamen Rockmusik-Machen in der evangelischen Jugendarbeit kennengelernt haben, durch das deutschsprachige In- und Aus-land. Sie standen auf rund 1200 Bühnen und haben zwölf CDs veröffentlicht. Schultheiß am Keyboard und Vogt an verschiedenen Instrumenten sind aufeinander eingespielt, präsentie-ren Chansons, Balladen, Lieder ohne Mühe.

Publikum auf die Bühne geholt

Ihre Erfahrung ist spürbar, locker gehen sie über kleine Unklarheiten im Programmablauf hinweg, entspannt ist ihr Kontakt zum Publikum. Das wird besonders deutlich, als es zu reg-nen beginnt. Zunächst harrt das Publikum aus, Schirme werden aufgespannt. Als der Regen stärker wird, lädt das Duo seine unbeschirmte Zuhörerschar auf die Bühne ein und setzt sein Programm gelassen fort.

Nur die Improvisation, gewöhnlich am Ende des Auftritts, muss entfallen – dafür wird das Publikum vor der Bühne gebraucht. Aber zwei Zugaben gibt es trotzdem. Und als die letzten Takte des Gute-Nacht-Liedes verklingen, hört auch der Regen auf.


Info: www.duocamillo.de