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09.08.2018

Auf den Spuren der Geschichte durch Metz

Erwachsenenbildung und Stadtkirchenarbeit des Evangelischen Dekanats erkunden einen Tag lang die „kleine Europastadt“

Metz findet Zuspruch. Bereits zum zweiten Mal boten Isa Mann, Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung Mainz, und Gregor Ziorkewicz, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an St. Johannis, Im Rahmen des Jahresthemas „Europa“ des Evangelischen Dekanats eine Fahrt nach Metz in Lothringen an. Und freuten sich sehr, dass diesmal knapp über 20 Teilnehmer in die „kleine Europastadt“ aufbrachen, um von ihrer großen Geschichte zu erfahren.

Die Gruppe unternahm zunächst eine kurze Stadterkundungsfahrt in der Metzer Neustadt, die stark geprägt ist von der Zeit nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71, als  viele Mittel in die mächtige Garnisonsstadt flossen, und die deutschen Machthaber die Stadt zu einem „deutschen Schaufenster im Westen des Reichs“ ausbauen.

Prachtvolle Boulevards

Es entstanden prachtvolle Boulevards, gesäumt von Bauwerken des wilhelminischen Gründerzeitstils. Doch die glanzvolle Geschichte reicht viel tiefer hinab als in die Epoche, in der die Hauptstadt Lothringens steter Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich war.

An der Kreuzung zwischen den bedeutenden Handelswegen zwischen Reims und Trier und zwischen Lyon und der Nordsee gelegen, hatte die Stadt bereits im 2. Jahrhundert 40.000 Einwohner und war damit eine der Metropolen des römischen Reichs.

Eindrücke von einstiger Pracht

Im Musée de la Cour d’or, dem Stadtmuseum von Metz, konnten sich die Teilnehmer einen Eindruck von der Pracht dieser einst blühenden Stadt verschaffen. Metz war die Hauptstadt des merowingisch-fränkischen Ostreiches (Austrien) und Stammsitz der Karolinger.  Verschiedene Familienmitglieder Karls des Großen wie beispielsweise seine Gemahlin Hildegard wurden in Metz beigesetzt.

Viele Kunstwerke wurden für den königlichen Hof, den „goldenen Hof“, erstellt. Neben vieler anderer bedeutender Kunstwerke verfügt das Museum deshalb auch über eine bedeutende Sammlung merowingisch-fränkischer Chorschranken aus dem 8. Jahrhundert, die fast vollständig aus der kleinen Kirche St. Pierre-aux-Nonnais stammen, auch eines der Ziel der Tagesreise.

Stadt geprägt von Veränderungen

„Gerade die Chorschranken aus St. Pierre bezeugen die Geschichte der Stadt, die vor allem von Veränderungen und Übergängen geprägt war“, erläuterte Ziorkewicz bei der Führung durch das Museum. So  machte sich gerade der Metzer Bischof Chrodegang (Mitte 8. Jahrhundert) stark für eine eigenständige fränkische Kirche und unterstütze damit den Aufstieg der Karolinger.

Lage und Reichtum der freien Stadt führten dazu, dass sie wechselweise zu Frankreich und Deutschland gehörte. Bereits 1648 im Westfälischen Frieden wurde sie Frankreich zugeschlagen. Viele Denkmäler und Kunstwerke sind aus unterschiedlichen Epochen erhalten geblieben.

In der ältesten Kirche Frankreichs

Nach einer Mittagspause im lebendigen Zentrum der Stadt stattete die Reisegruppe der unscheinbaren Kirche St. Pierre aux Nonnains in der Zitadelle von Metz einen Besuch ab, um am Ort selbst den wohl ältesten erhaltenen Kirchenbau Frankreichs zu erleben. Im Kern gehören die Mauern zu einem Baukomplex aus dem 4. Jahrhundert, der bereits im 6. Jahrhundert in eine Benedektinerinnenabtei umgewandelt wurde.

In der Folge der französischen Revolution säkularisiert, dann der militärischen Nutzung zugeführt, diente St. Pierre als Brieftaubenhaus für die deutschen Militärs. Somit hat der kleine Bau als steingewordenes Symbol der gemeinsamen deutsch-französischen Geschichte alle Veränderungen überdauert.  Trotz der kurzen Stippvisite und den hohen Temperaturen zeigten sich alle Mitreisenden von der Vielfalt dieser kleinen Stadt begeistert.