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08.06.2018

Stärke und Selbstbewusstsein als Schutzschild gegen Missbrauch

Sommertagung der 12. Dekanatssynode in Kirchengemeinde Mainz-Hechtsheim zum Schwerpunktthema Kinderschutz – Acht neue Lektorinnen und einen neuen Lektor begrüßt

Feierlich wurden die neuen Lektorinnen und der neue Lektor begrüßt. Von links: Dekan Andreas Klodt, Annedore Böckler-Markus, Dorothee Escherich-Semsroth, Pfarrerin Elke Stein, Volker Landgraf, Angelika Raff, Ines Ries, Jane Sautter, Anne Schumann, Veronika von Riegen und Antje Wirth.

Dr. Katharina Maucher referierte über Kinderschutz.

Starke Kinder sind gegen sexuelle Gewalttäter besser gewappnet als unsichere oder vernachlässigte.  Das war die zentrale These von Dr. Katharina Maucher, die als Impulsgeberin für das Schwerpunktthema „Kinderschutz“ der Sommertagung der 12. Dekanatssynode Mainz in der Kirchengemeinde Hechtsheim fungierte.

Zudem begrüßten Dekan Andreas Klodt und Pfarrerin Elke Stein acht neue Lektorinnen und einen neuen Lektor. Nach einem Jahr Ausbildung können ab sofort Annedore Böckler-Markus, Dorothee Escherich-Semsroth, Volker Landgraf, Angelika Raff, Ines Ries, Jane Sautter, Anne Schumann, Veronika von Riegen und Antje Wirth ihre neuen Aufgaben angehen. Die neuen Lektoren seien gut vorbereitet und brächten Herzenswärme mit, freute sich Klodt.

Klar definiertes Opferbild


Zum Thema Kinderschutz verdeutlichte Psychologin und Kinderschutzexpertin Maucher zunächst vor den mehr als 50 Synodalen, was sie unter „starken Kindern“ eigentlich versteht. Nämlich nicht unbedingt körperliche Kraft, sondern ein gut ausgebildetes Selbstbewusstsein. Denn ein Pädophiler habe ein klar definiertes Opferbild. „Er will ein schwaches Kind unterwerfen“, betonte sie.

Damit aus Kindern starke und selbstbewusste Persönlichkeiten werden, müssen laut Maucher bestimmte Grundbedürfnisse erfüllt werden. Das sind unter anderem Liebe, Akzeptanz, Ernährung und Bildung. „Ein Kind braucht mindestens einen Menschen, den es bedingungslos liebt“, so Maucher. Darüber hinaus sollten Erwachsene auch die Rechte von Kindern respektieren. Damit meint die Psychologin vor allem die freie Entfaltung der Persönlichkeit. „Wir müssen Kinder nicht zu irgendetwas machen“, warnte die Psychologin.

Ein Fehler in der Erziehung von Kindern ist es ihr zufolge, wenn dem Nachwuchs beigebracht wird, dass Erwachsenen nicht zu widersprechen ist. Denn das gebe Pädophilen die Möglichkeit, ihre Opfer zu manipulieren. Schließlich sind die Täter meist ebenfalls Erwachsene, denen – so haben es die Kinder gelernt – nicht widersprochen werden darf.

Mindestens eine Vertrauensperson

Wohl noch schlimmer ist Vernachlässigung. Auch hier geht es nicht nur um Ernährung und Kleidung, sondern um seelische Vernachlässigung. „Kinder möchten nicht bespielt werden“, sagte Maucher. Vielmehr erwarten sie, dass Bezugspersonen sie ernst nehmen und auf sie eingehen. Haben Kinder nicht mindestens eine solche Vertrauensperson, öffnet das die Tür für Gewalttäter, die vorgeben, verständnisvolle Freunde zu sein.

Kinderschutz ist laut Maucher kein Nischenthema: „Wir sind alle zuständig.“ Das gilt aber ganz besonders für Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten. Die seien nämlich „persönliche Garanten“ für das Kindeswohl. Komme es hier zu Versäumnissen, drohen juristische Konsequenzen. Wenn also der Verdacht aufkommt, dass das Wohl eines Kindes gefährdet ist, müssten die Betreffenden bereit sein, Hindernisse zu überwinden. „Kinderschutz ist nichts für Feiglinge“, stellte Maucher klar.