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08.05.2018

Psalmgesänge und die Frage, was im Kopf passiert

Vorab-Premiere auf dem Lerchenberg: Stadtjugendpfarramt des Evangelischen Dekanats und Theaterclub „zeitraum“ präsentieren „Über uns“

„Über uns“: Der Titel des Theaterstücks ist Programm, wenn der Theaterclub „zeitraum“ und das Stadtjugendpfarramt des Evangelischen Dekanats ab 25. Mai zum Weltbilderabend im Mainzer Staatstheater bitten. Drei Wochen vor Premiere im Staatstheater präsentierte die 16-köpfige Laien-Schauspielergruppe Ausschnitte ihres selbst erarbeiteten, sehr biografischen Stücks auf dem Lerchenberg.

Zwischen zehn und 85 Jahren

In die Seele lassen sich die Mitwirkenden schauen, wenn sie sich mit der Frage beschäftigen, was und woran sie glauben. Nicht nur im religiösen, christlichen, muslimischen oder atheistischen Sinn. Es sind keine fremden, auswendig gelernten Rollen in „fertigen“ Stücken, die sie spielen. Und sie sind keine Profis, die mehrmals die Woche auf den Brettern stehen, die die Welt bedeuten. Die Laienschauspieler zwischen zehn und 85 Jahren präsentieren jeweils wichtige Teile ihrer eigenen Lebenswelt und -geschichte.

Erstmals öffentlich gezeigt wurden Ausschnitte aus dem neuen Abendprogramm bei einem Jugendgottesdienst in der Maria-Magdalena-Gemeinde Lerchenberg. Die Band „Halb so wild“ begleitete das Kooperationsprojekt zwischen dem Stadtjugendpfarramt und Theaterclub musikalisch.

Aktiv wurden die Besucher mit einbezogen, die sich in Reihen gegenübersaßen. Auch die U17-Probenbühne des Theaters wird so angeordnet sein, dass die Zuschauer Kontakt aufnehmen sollen, sagt Dramaturgin Katrin Maiwald vom Staatstheater. Sie möchte einladen, sich gemeinsam auf eine Reise zu begeben und nachzudenken über das, was sonst automatisch abläuft: Was passiert in meinem Kopf, wenn ich andere anschaue? Und was erscheint mir glaubwürdig?

Wöchentliche Proben

Mit Fragen hatten sich auch die 16 Mitwirkenden aus Mainz und Umgebung einander und ihrem Thema angenähert: „Was wir glauben“. Motiviert vom Wunsch, auf der Bühne zu, treffen sie sich seit Herbst meist einmal in der Woche zum Proben. Dramaturgische Mitarbeiter sind Jacqueline Rudolf und Hanna Lena Hohmann von der Theaterpädagogik und Marga Kadel vom evangelischen Stadtjugendpfarramt. Sie waren beeindruckt, wie schnell es in der Gruppe um zentrale Fragen gegangen sei, erzählen sie: Woher kommen wir und wohin werden wir einmal gehen? Beim Interviewen und Improvisieren wurden Ideen und Material zusammengetragen, um danach auszuwählen, zu verdichten und mit Mitteln des Theaters in Form zu bringen.

Autobiographisch ist alles, was bei „Über uns“ gesagt wird, ob eher für sich, zueinander oder zum Publikum. Bei Geschichten von damals und heute, Anekdoten und möglichen Antworten: Die einen glauben an die katholische Kirche, andere an Allah und Islam; an Wiedergeburt, Wasserfälle im Paradies. An Gebote, Gerechtigkeit und Grundgesetz.

Es wird um Schicksal und den tieferen Sinn im Leben gehen im Stück, um das Gute im Menschen, Freiräume, freien Willen, und den Glauben daran, dass Intellekt nicht allein an Noten gemessen werden kann. Was es mit dem „Götterberg“ auf sich hat? Auch darauf dürfen die Zuschauer ebenso gespannt sein wie auf bewegende Psalmgesänge von Estefanos Naser, der als Flüchtling nach Deutschland kam

->   Aufführungstermine: 25., 26., 28. Mai, 18. und 19. Juni 2018 im U17 im Staatstheater Mainz, jeweils 18 Uhr.

->   Für den 2. Juni ist ein Gastspiel der Truppe zum Jugendkirchentag in Weilburg geplant.