EKHN.TV


Videos und Audio-Slideshows mit spannenden Geschichten aus Hessen und Nassau. Hier geht's zu EKHN.TV

08.03.2018

„Te Deum - Herr Gott, wir loben dich“

Blick auf geschichtliche Wurzeln und das Erbe der Zisterzienser

Passend zum Jahresthema „Europa: Kulturelles Erbe und christliche Identität“ warf Pfarrer Rainer Beier einen Blick auf die Bibel, Luther und das mitstiftende Erbe der Zisterzienser.

„Te Deum - Herr Gott, wir loben dich“, in diesem Zeichen stand der Abend im Haus der Kirche, der mit Gesang eröffnet wurde: „Laudate omnes gentes“ erklang zur Einstimmung. Das Lied stammt aus Taizé, als bekanntes Beispiel für geistig gemeinschaftliches Leben, das noch heute eine große Faszination ausübt auf Besucher aller Generationen. Ebenso gelten die Zisterzienser als religiöse Botschafter und Kulturträger von besonderem Rang, wie ein Film veranschaulichte. Zuvor weitete Stadtkirchenpfarrer Rainer Baier kenntnisreich den Blick, mit Auszügen aus der Bibel. Als zentrale Passagen im Neuen Testament gelten die Geschichten vom reichen Jüngling, der seinen Besitz nicht aufgeben möchte, und von der Versuchung Jesus in der Wüste. „Sie wurde als Ort der Auseinandersetzung und Entscheidung angesehen, auch über die Jahrhunderte hinweg“, verdeutlichte der Referent anhand von Beispielen für eremitisches Leben dort.

Während manche „Wüstenväter“ für ihre Weisheit als Ratgeber geschätzt wurden, wurden andere Propheten und Wanderprediger kritisch wahrgenommen. Durch die Geschichte des christlichen Mönchtums zieht sich die Ansiedlung jenseits von Städten, an kaum erschlossenen Orten und in Verbundenheit mit der Natur. Ähnlich überliefert ist dies auch von Bernhard von Clairvaux, der als einer der „Gründerväter“ des Zisterzienser-Ordens gilt und auch von Martin Luther später gewürdigt wurde. Sich mit Mönchtum und Orden auseinanderzusetzen sei für ihn ja einst keine theologische Frage, sondern ein zentrales Thema seines Lebens gewesen. Aus dem Glauben zu leben statt aus guten Werken und Selbstgeißelung, und das Gewissen an Gottes Wort zu binden, auch diese damals neue Erkenntnis wurde in der Gesprächsrunde diskutiert. „Der Stand der Mönche ist keineswegs der Stand der Vollkommenheit“, hieß es im Auszug aus dem Augsburger Bekenntnis, sie sollten sich somit nicht auf eine höhere Ebene, Gott näher, stellen.

Die DVD-Dokumentation „Te Deum – ein Leben für Gott und die Menschen“ veranschaulichte Geschichte und Gegenwart der Zisterzienser. Askese und Abkehr von Pomp und Prunk der Kirche markierten einen Neubeginn in Abgeschiedenheit und mit der eigenen Hände Arbeit, als Rückkehr zum bewussten, authentischen Christentum in Demut vor der Schöpfung. Auf das Notwendigste sollten die Räume reduziert sein, ohne Ablenkung durch Bilddarstellungen. Die Predigten Bernhards seien hingegen leidenschaftlich und sprachgewandt gewesen. Religiöse Inbrunst und strenge Rationalität wurden von Anfang an zu einer Quelle des wirtschaftlichen Erfolgs, erfuhren die Zuschauer. Als landwirtschaftliche Musterbetriebe galten die Klöster und auch gegenüber den Herrschenden seiner Zeit war Bernhard sehr einflussreich. Problematisch hingegen war seine Rolle beim Aufruf zum Kreuzzug, der einst vielen das Leben kostete. In Gesprächen mit Ordensleuten zeigten die Filmemacher, wie heutzutage eine Verbindung von Theologie und gelebter Spiritualität hergestellt wird, mit Intellektualität, Gesang, Gebeten und weltlichen Aufgaben. Geschätzt werden die Klöster zudem von Gästen als Oasen der Stille.

Eine Vielzahl früherer Zisterzienser-Klöster gehört heute in die Verantwortung der sog. „Evangelischen Erben“. Diese Vereinigung trifft sich vom 22. bis 25. April 2018 zu ihrer Jahrestagung im Kloster Arnsburg bei Lich in Oberhessen. Individuell können Interessierte an einem oder an mehreren Tagen als Gäste teilnehmen. Weitere Informationen zum Programm sind erhältlich im Evangelischen Dekanat Mainz, bei Rainer Baier, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit, Tel. 06131 9600431 sowie per Mail unter rainer.beier.dek.mainz@ekhn-net.de.