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23.11.2017

Wie eine Mutter in Kindsnöten

Zentraler Gottesdienst des Evangelischen Dekanats Mainz zum Buß- und Bettag widmete sich dem Thema Vergänglichkeit

Henner Momman, Schauspieler am Mainzer Staatstheater, liest aus dem Römerbrief

Einen zentralen Gottesdienst unter dem Thema „Um Gottes Willen“ feierte das Evangelische Dekanat Mainz in der Mainzer Christuskirche. Anlass dafür war der Buß- und Bettag, für evangelische Christen ein Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben. Unter anderem dient der Gedenktag dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrtümer wie Ausländerhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen.

„Der Buß- und Bettag ist für uns evangelische Christen so eine Art theologischer Weckruf“, erklärt Dekan Andreas Klodt, der in diesem besonderen Gottesdienst über Vergänglichkeit predigte. Aufhänger zum Thema war eine Fotografie des Mainzer Fotografen Mickey Markovic, der in befremdlich anmutenden Bildern die Folgen der Reaktorkatastrophe am 26. April 1986 in Tschernobyl dokumentiert hat. „Ein schneebedeckter Sessel, ein aus den Angeln gehobenes Fenster, ein blätternder Wandanstrich, ein kaputtes Dach – kann man da noch leben, noch wohnen?“, fragt Klodt. „Man kann“, gibt er selbst die Antwort. „Wer aus einer Gegend stammt, in der Mord und Totschlag und Bürgerkrieg und Gewalt an der Tagesordnung sind, in der das Leben jederzeit und sofort zu Ende sein kann, der zieht den schleichenden Tod vor.“

Was ist bloß los mit der Welt, fragt der Dekan weiter, eine Frage, die sich wohl jeder einmal gestellt hat. „Alles wartet darauf, dass es mit dem Verschleißen und Vernichten von Leben endlich einmal ein Ende nimmt.“ Der Predigttext, vorgetragen von Henner Momann, Schauspieler am Staatstheater Mainz, widmete sich genau diesem Aspekt. Er handelt vom „Seufzen der Schöpfung“ über all die Vergänglichkeit. „Waldsterben, Bienensterben, Gletschersterben, Meeressterben – das kann es doch nicht gewesen sein“, so Klodt. Ein Seufzen, führt er weiter aus, reiche da nicht aus, klinge fast schon behaglich. Viel treffender sei da schon das von Luther angeführte Bild einer Mutter in Kindsnöten. „Schluss mit der Seufzerei! Ein angerührtes, leidenschaftliches, lautes, unkontrolliertes Stöhnen, das braucht es, damit auch was rauskommt“, fordert Klodt. „Es geht eben nicht wie 1986 an der Kühltheke nur um die Frage, welchen Joghurt ich noch essen kann, sondern es geht um die Zukunft unserer Welt und unsere eigene Zukunft. Denn nur wer schreit, der darf auch hoffen, dass der Schmerz und die Vergänglichkeit nicht das Letzte sind.“

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Dekanatskantor Volker Ellenberger an der Orgel, Johannes Wilhelmi (Bass), Anetta Mukurdumova und Ulrike Adomeit-Gadd (Violine).