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02.07.2017

100.000. Fund im Alten Dom St. Johannis

Kleine Glasscherbe weist auf die umfangreichen Grabungserfolge hin

Fotos: Gregor Ziorkewicz

Es ist schon sehr überraschend, was sich im Boden der St. Johanniskirche, dem Alten Dom von Mainz seit Jahrhunderten angesammelt hat: Da gibt es Boulekugeln, Würfelsets aus Tierknochen geschnitzt, Ofenkacheln und sogar Geräte, die zur Ohrenreinigung dienten. Jetzt ließen Ofenkacheln aber nicht gleich darauf schließen, dass es sich bei dem Alten Dom St. Johannis um eine beheizte Kirche gehandelt habe, sondern zeigen nur, dass eine Menge Alltagsmüll und –schutt hier eingebracht wurde, erläutert Gregor Ziorkewicz, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an St. Johannis, die vielen eigentlich nicht in eine Kirche passenden Funde.

Eindeutige Rückschlüsse auf die Vergangenheit bietet aber auf alle Fälle der 100.000 Fund, den das Team um Guido Faccani, wissenschaftlicher Forschungsleiter an St. Johannis, ans Tageslicht befördert hat. Es handelt sich hierbei um eine unscheinbare Glasscherbe, die mit großer Sicherheit zur Verglasung eines sogenannten Chörleins in der Kirche gehörte. Dieses stellte einen Einbau in gotischer Zeit in die Kirche dar. „Faktisch eine Kirche in der Kirche“, wie Faccani präzisiert.  In der Zeit des Barocks wurde dieses Chörlein dann abgetragen und die Elemente in das Innere der Kirche geworfen, um so den Fußboden in der Kirche dem Straßenniveau der Stadt anzupassen. Aufgrund dieser Tatsache konnten in den vergangenen Monaten eine Vielzahl von Maßwerkelementen aus dem Kircheninneren geborgen werden. Darunter auch eines, das noch eine ursprüngliche Verglasung enthält.

 „Es ist schon eine große Leistung in den vielen Tonnen Erde all die kleinen und kleinsten Fundstücke zu erkennen und ihre Bedeutung zu ahnen“, zollt Dekan Andreas Klodt dem Grabungsteam Respekt. Ohne diese akribische und leidenschaftliche Arbeit wären wohl viele der Fundstücke nicht aufgefallen, so Klodt weiter.  Noch bis Ende des Jahres sollen die Ausgrabungen im Alten Dom St. Johannis weiter gehen. Dann geht es an die umfassende Dokumentation der Funde, eine ebenfalls aufwändige Arbeit. Doch da taucht im Mittelgang des Kirchenschiffs eine Grabplatte unter dem Boden des gotischen Fußbodens eine altertümliche Grabplatte auf, die wiederum das gesamte Grabungsteam in seinen Bann zieht.


Text: Gregor Ziorkewicz