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18.05.2017

Klang von 50 Glocken

Ökumenisches Glockengeläut der Mainzer Innenstadtkirchen an Pfingstsamstag

Die Glocken in der Christuskirche

Thomas Drescher, Diözesankirchenmusikdirektor im Bistum Mainz, Pfarrerin Bettina Klünemann der Evangelischen Christuskirchengemeinde, Pater Josef Kemper OCam von St. Peter und St. Emmeran sowie Günter Schneider, Glockensachverständiger des Bistums Mainz im Glockenturm der Christuskirche

Erstmals ist in Mainz ein ökumenisches Innenstadtgeläute zu erleben. Am Vorabend des Pfingstfestes am Samstag, dem 3. Juni, werden von 16.30 bis 17 Uhr von 14 Kirchtürmen der evangelischen und katholischen Innenstadtkirchen sowie der Klöster in Mainz insgesamt 50 Glocken läuten.

800 Jahre Mainzer Glockengeschichte

Dennoch können am Samstag vor Pfingsten nicht alle beteiligten Glocken gleichzeitig erklingen, erklärt Günter Schneider, Glockensachverständiger des Bistums Mainz: „Das ergäbe ein großes musikalisches Chaos.“ Vielmehr wurde für das Geläut, das als Vorbild die Stadtgeläute von Frankfurt und Speyer hat, ein differenzierter Läuteplan ausgearbeitet. Am Innenstadtgeläut nehmen Altmünsterkirche, Christuskirche und Lutherkirche und auf katholischer Seite der Dom St. Martin, St. Peter, St. Quintin, St. Antonius, St. Stephan, St. Ignaz, St. Bonifaz, die Karmeliter- und die Augustinerkirche, die Dreikönigs-Kapelle sowie die St. Klara-Kapelle teil, darunter 20 historische Glocken. „An diesem Tag sind 800 Jahre Mainzer Glockengeschichte zu hören“, freut sich Schneider.

Ökumenisches Zeichen zum Geburtstag der Kirche

Rund drei Jahre dauerten die Vorbereitungen, und die Reaktionen sind bisher sehr positiv. „Viele Menschen schätzen das Glockenläuten auch hier in der Stadt“, berichtet Pfarrerin Bettina Klünemann von der Evangelischen Christuskirchengemeinde. Dreimal täglich ist vom Turm der Christuskirche aus ein besonderes Glockenspiel mit wechselnden Melodien von Kirchenliedern zu hören. Und wenn es –wie vor einigen Jahren wegen eines Defekts – einmal nicht läutet, weiß die Pfarrerin, kommen sofort viele Nachfragen. „Das Glockenläuten ist für die Menschen noch immer von großer Bedeutung. Es ist ein Zeichen der Präsenz, ein Zeichen dafür, dass Menschen da sind, die beten.“ Auch Pater Josef Kemper OCarm, Pfarrer von St. Peter und St. Emmeran, freut sich über das gemeinsame Glockengeläut. „Gerade an Pfingsten ist es ein sehr schönes ökumenisches Zeichen. Wir läuten damit den Geburtstag der Kirche ein.“

Dabei rufen die Kirchenglocken nicht nur zum Gottesdienst, sondern künden auch von Taufen, Trauungen und Beerdigungen, markieren hohe Festtage im Jahreslauf und gliedern den Tag. „Die neuesten Glocken in Mainz sind übrigens evangelisch“, erzählt Dekan Andreas Klodt vom Evangelischen Dekanat Mainz. Sie wurden erst im aktuellen 21. Jahrhundert in den evangelischen Kirchen in Drais und Bretzenheim sowie in der Pauluskirche in der Neustadt angebracht.

Zwei Glockengeläute pro Jahr geplant

Da das Stadtgeläut nicht von einem Standort aus gänzlich erfassbar sein wird, werden drei von Fachleuten begleitete Glockenspaziergänge angeboten, die einen Überblick über die einzelnen Glocken und ihre Geschichte geben. Die St. Johanniskirche kann sich aufgrund der derzeit noch andauernden Grabungsarbeiten nicht am Geläut beteiligen, vielleicht aber in den nächsten Jahren mit dabei sein. Denn auch in der Zukunft soll das Innenstadtgeläute in Mainz Bestand haben. Geplant sind jeweils zwei Geläute pro Jahr, jeweils vor Pfingsten sowie zu Beginn jedes neuen Kirchenjahres vor dem 1. Advent.