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10.04.2017

Leidenschaft für Seelsorge und Gottesdienst

Ordination im Ehrenamt: Christina Weyerhäuser verzahnt wissenschaftliches Arbeiten mit pastoralem Handeln

Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes am Palmsonntag wurde Christina Weyerhäuser von Propst Dr. Klaus-Volker Schütz als Pfarrerin im Ehrenamt ordiniert. Die Theologin wird mit Wirkung vom 1. April ihren ehrenamtlichen pastoralen Dienst für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau in der Kirchengemeinde Mainz-Hechtsheim ausüben.

Christina Weyerhäuser hatte nach ihrem Studium der evangelischen Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und einem Auslandsjahr der Universität Bern (Schweiz) mit Schwerpunkt Seelsorge und Pastoralpsychologie im Oktober 2013 ihr erstes Theologisches Examen abgelegt. Im November 2015 schloss die verheiratete Theologin ihr Vikariat in der evangelischen Johannesgemeinde in Bingen mit dem zweiten Theologischen Examen ab. Auf die Geburt ihrer beiden Kinder im Dezember 2015 folgte ihre Elternzeit, die im Februar endete. Seit März ist die im rheinhessischen Saulheim lebende Theologin wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hans-von-Soden-Institut, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der EKHN und der EKKW, die an die Philipps-Universität Marburg angegliedert ist.

In den Kasualien verbinden sich für Christina Weyerhäuser ihre Leidenschaft für Seelsorge und Gottesdienst miteinander. Daher lag es für sie nahe, sich im Rahmen einer Promotion mit Thema „Die Bedeutung der Bestattungspraxis in den Veränderungen der spätmodernen Lebenswelt des Dorfes“ zu beschäftigen. „Die Stelle am Institut sieht die Verzahnung von wissenschaftlichem Arbeiten und pastoraler Tätigkeit vor, darum ist mit der Stelle ein Predigtauftrag verbunden. Um diesen wahrnehmen zu können, bedarf es der Ordination, also einer Berufung zur öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung“, informierte sie. Da sie jedoch keine Gemeindepfarrstelle übernehme, sondern zum wissenschaftlichen Arbeiten freigestellt sei, erfolge die Ordination ins Ehrenamt. „Das heißt, ich bin eine echte, fertige Pfarrerin mit allen dazugehörigen Befugnissen, aber eben ohne eigene Gemeinde“, sagte Christina Weyerhäuser.

Der Dienst Pfarrerin im Ehrenamt stamme aus der Zeit, als es viele Absolventen, aber viel zu wenige Pfarrstellen gab, erzählte Christina Weyerhäuser. „Das war so in den 80er und 90er Jahren und man kann es sich heute kaum noch vorstellen.“ Heute sei Pfarrerin im Ehrenamt „ein Experiment, was es sonst gar nicht so oft gibt“, sagte Propst Schütz. Denn die Landeskirche wünsche, dass wissenschaftlich arbeitende Theologen auch Erfahrungen in einer Kirchengemeinde sammeln.

Christina Weyerhäuser erhält den ehrenamtlichen Dienstauftrag, nachdem der Kirchenvorstand in Hechtsheim dem Vorschlag der Kirchenleitung zugestimmt hatte. Künftig darf sie in der Gemeinde in Absprache mit den beiden dortigen Pfarrerinnen Sabine Feucht-Münch und Elke Stein ihren Predigtauftrag erfüllen und Gottesdienste halten, Kasualien wie Beerdigungen, Taufen oder Hochzeiten durchführen, einzelne Konfirmandenstunden übernehmen oder Vorträge halten, etwa zum Thema ihrer Dissertation. Dabei möge die 29-Jährige ihre eigenen Impulse setzen, gab ihr Propst Schütz mit auf den Weg.

In seiner Ansprache warf der Propst einen Blick auf die Geschichte der drei Steinmetze am Kölner Dom, die tagein, tagaus Steine klopften. Einem Passanten, der nach deren Tätigkeit fragte, habe der erste Handwerker geantwortet: „Ich klopfe Steine.“ Der Zweite sah den Sinn seiner Arbeit darin, Geld für seine Familie zu verdienen. Die Antwort des dritten Steinmetzes habe gelautet: „Ich baue an einem Dom“. Wie jemand seine Arbeit begreife, hänge also von seiner persönlichen Sichtwiese ab. Dies gelte auch für Pfarrer, „die mit am Reich Gottes bauen“, sagte der Propst und ergänzte: „Der Pfarrberuf ist für mich immer noch der schönste Beruf der Welt.“

Mit Bibelworten segneten neben Propst Schütz drei Ordinationsassistenten den Weg der Ordinandin: Pfarrer Olliver Zobel, ihr Lehrpfarrer während ihres Vikariats in Bingen, Prof. Dr. Kristian Fechtner, ihr Doktorvater und Professor für Praktische Theologie an der Universität Mainz sowie die Hechtsheimer Prädikantin Brigitte Zander. Ein herzliches Willkommen sprach Ulrich Prätorius im Namen des Kirchenvorstands der Hechtsheimer Gemeinde aus. Gemeindepfarrerin Sabine Feucht-Münch, die zugleich Sprecherin der Regionalgruppe Süd des Pfarrkonvents Mainz ist, freute sich, dass Christina Weyerhäuser nun zur starken Gemeinschaft der Pfarrerinnen und Pfarrer gehöre. Mit seinem Grußwort wünschte Dekan Andreas Klodt Gottes reichen Segen für ihr Wirken.

„Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich. Er markiert das Ende eines langen Ausbildungswegs“, freute sich Christina Weyerhäuser und dankte vor allem ihrer Familie für stetige Unterstützung. Besonders geprägt habe sie der Saulheimer Pfarrer Dieter Stadler, der sie 2002 konfirmiert habe, leider jedoch kurzfristig nicht an ihrer Ordination teilnehmen konnte. „Sein Konfiunterricht hat mich begeistert. Von nun an wollte ich nicht nur dazugehören, sondern mitmachen und mehr über Kirche erfahren. Ihm verdanke ich, dass ich zum Glauben gefunden habe.“ Lehrpfarrer Olliver Zobel habe sie zwei Jahre im Vikariat begleitet, sie vieles ausprobieren lassen, was sie weitergebracht habe und ihr viel Zeit geschenkt. Besonders freute sich die Pfarrerin über den vielstimmigen Jubelgesang des Frauenchors Novitas aus Saulheim, der das Hechtsheimer Gotteshaus erfüllte. „Den Hymnus von Silcher habt ihr schon damals zu meiner Konfirmation gesungen“, dankte die leidenschaftliche Sängerin bei ihren langjährigen Sangesschwestern.

„Ich stehe nun vor einem Neuanfang und blicke nach vorne, viele neue Herausforderungen warten auf mich“, sagte die zweifache Mutter, die im Juni ihr drittes Kind erwartet. Ihren ersten Gottesdienst wird Christina Weyerhäuser an Ostermontag um 10 Uhr in Mainz-Hechtsheim feiern, weitere werden nach ihrer Elternzeit im Sommer 2018 folgen.