EKHN.TV


Videos und Audio-Slideshows mit spannenden Geschichten aus Hessen und Nassau. Hier geht's zu EKHN.TV

05.11.2018

Das Ende einer liebgewonnenen Tradition?

140 Frauen kamen zum letzten Frauentag im Evangelischen Dekanat Ingelheim

Etwas wehmütig klang sie schon, die Begrüßung der Frauenbeauftragten des Dekanates Ingelheim, Hiltrud Runkel: „Dies ist der letzte Dekanatsfrauentag im Dekanat Ingelheim – wie es dann weitergeht, das werden wir im Neuen Jahr sehen“. Und blickt man auf diesen wie immer mit viel Herzblut und großem Aufwand vorbereiteten Dekanatsfrauentag zurück, zu dem immerhin über 140 Frauen aus vielen Gemeinden des Evangelischen Dekanates Ingelheim gekommen waren, so wäre es sicherlich schön, wenn diese Tradition auch 2019 fortgeführt werden könnte. Die vertraute Gemeinschaft der Frauen, die meist in den eigenen Kirchengemeinden ehrenamtlich engagiert sind und sich häufig von gemeindeübergreifenden Aktionen kennen, war an diesem herbstlichen Nachmittag im Gemeindehaus der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde Ingelheim deutlich zu spüren.

Aber die Frauen waren nicht nur zum persönlichen Austausch und zu einem gemütlichen Beisammensein gekommen, sie wollten sich auch inspirieren lassen. Denn wie immer hatte sich das Organisationsteam rund um die Dekanin des Dekanates Ingelheim, Annette Stegmann, und die Frauenbeauftragte Hiltrud Runkel, ein besonderes Veranstaltungs-Highlight einfallen lassen. In diesem Jahr war es der bewegende Vortrag der Schauspielerin, Theaterpädagogin und Theologin Birgit Reibel. Die gebürtige Mainzerin zog ihre Zuhörerinnen mit ihrem Vortrag über die jüdische Lyrikerin Gertrud Kolmar in den Bann. Konzentriert lauschte man nicht nur, wie Birgit Reibel die kraftvolle Lyrik Gertrud Kolmars sehr einfühlsam und gekonnt vortrug, sondern auch, wie sie jiddische Lieder, entstanden in den jüdischen Ghettos der Zeit des Nationalsozialismus, zart und ergreifend sang.

Kein leichtes Thema für diesen strahlenden Herbstnachmittag. Denn Gertrud Kolmars Schicksal endete tragisch – in den Gaskammern des Konzentrationslagers Auschwitz. Aber ein Thema, das eine stete Auseinandersetzung lohnt. Dennoch war es gut, dass an diesem Nachmittag auch gemeinsames Singen, wie immer begleitet von dem souveränen Pianisten und Organisten Hans-Reiner Heucher, und Kaffee und Kuchen (liebevoll vorbereitet von dem von der Evangelischen Jugend unterstützten Organisationsteam) auf dem Programm standen. Wie immer begrüßte Präses Horst Runkel, als einer von wenigen Männern bei dieser Veranstaltung, die Besucherinnen des Dekanatsfrauentages und nutzte die Chance, um auf seine mit der Fusion der Dekanate Ingelheim und Oppenheim 2019 endenden Amtszeit zurück zu blicken.

Im Anschluss blieb – wie immer – Zeit für einen kleinen Einkauf an den Ständen des Handarbeitskreises der Versöhnungskirchengemeinde, der Buchhandlung Machwirth und des Weltladens der Ingelheimer Gemeinde, bevor es dann zum Abschlussgottesdienst in die Versöhnungskirche ging. Hier hatten sich Dekanin Annette Stegmann und die Frauenbeauftragte Hiltrud Runkel angelehnt an den Titel des Vortrages von Birgit Reibel “Du blätterst einen Menschen um” etwas Besonderes ausgedacht. Schlager aus den 1960er und 1970er Jahren erklangen im Kirchenraum – Lebensläufe wurden anschaulich nachgezeichnet, um am Schluss zu dem von Dekanin Annette Stegmann vorgetragenen eindrucksvollen Resümee zu kommen: “Unser Leben, ein Buch, in dem wir blättern können – jedes Lebensbuch, unsere Lebensbücher, sind bei Gott gut aufgehoben”.