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31.10.2018

Für das Leben gut gerüstet

Erster SUBLAN-Gottesdienst in der Binger Johanneskirche

Foto: Heiko Lange

Gut gerüstet startete die Evangelische Johanneskirchengemeinde am 21. Oktober ihren ersten SUBLAN-Gottesdienst. Unter der Empore reihten sich die Notebooks aneinander und die Verantwortlichen für Redaktion, Präsentation und Übertragung hatten Platz genommen; die Prediger und der Moderator standen am Bistro-Tisch vor dem Altar und die Gemeinde saß mit gezückten Handys in der Kirche – und dann startete um 19:00 Uhr pünktlich die Übertragung des Gottesdienstes in die ganze Welt – per Lifestream über www.sublan.tv.

Thematisch drehte sich der Gottesdienst auch um eine Erfahrung, die viele Spieler im Internet machen: Ich muss mich gut rüsten, um in den unterschiedlichen Internet-Rollenspielen zu gewinnen oder die notwendigen Aufgaben zu erfüllen. Dazu muss ich mich mühsam hochleveln oder grainden, das heißt Sachen sammeln oder immer wieder Gegner besiegen. Dies wurde im Interview mit einem Gamer aus der Gemeinde deutlich, welches Vikar Fetthauer führte. Am Ende fragte er dann, ob der Spieler solche Erfahrungen auch im echten, realen Leben machen würde. Der Gamer bejahte, denn auch hier gebe es Herausforderungen, für die man sich gut vorbereiten müsse, an denen man dranbleiben müsse, für die man gut gerüstet sein müsse, um sie dann zu bestehen. Genauso sieht es Paulus auch in seinem Brief an die Epheser, wenn er von einer geistlichen Waffenrüstung spricht. Deswegen lauteten die Thesen der beiden Prediger schließlich: Ich stehe im Leben auf einem Kampfplatz und Gott lädt mich ein, sich in seiner Waffenkammer zu bedienen – vollkommen umsonst.

Diese steilen Thesen führten im Anschluss dann zu einer lebhaften Diskussion der beiden Prediger mit den Zuschauerinnen und Zuschauern aus dem Internet und in der Kirche. Viele der Beiträge stellten die „militärische“ Wortwahl in Frage, was Pfarrer Zobel dazu bewegte, das Bild zu aktualisieren: Gott lädt uns in seinen Shop ein, in dem wir uns fürs Leben einkleiden und so „gut angezogen“ allen Herausforderungen begegnen können. Außerdem wurde deutlich, dass man in Gottes Waffenkammer vor allem Rüstungsgegenstände findet – keine mächtigen Waffen, um den anderen auszulöschen, sondern eine Ausstattung, mit der ich in Auseinandersetzungen gut geschützt bin. Allein das Wort Gottes, welches mit einem Schwert verglichen wird, ist die Waffe, die uns als Christinnen und Christen in Konflikten zur Verfügung steht. Daran hätte sich die Kirche in den letzten Jahrhunderten besser orientieren sollen. Nicht umstritten war die Aussage, dass wir uns auf einem Kampfplatz bewegen – die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen haben deutlich zugenommen und da gilt es auch als Christ oder Christin Stand zu halten.

Nach einer Stunde war der Gottesdienst dann vorbei – die Prediger und auch der Moderator waren erschöpft, aber zufrieden. Die Rückmeldungen aus der Gemeinde waren grundsätzlich positiv. Angemerkt wurde allerdings auch, dass solch eine Predigtform sehr sprunghaft und vielleicht auch zu oberflächlich sei, um sie jeden Sonntag zu haben. Eine gut durchdachte und stringent entwickelte Predigt hätte halt auch etwas. Auch war der Besuch schwächer als sonst an den Abendgottesdiensten – ob da doch der eine oder andere auch in Bingen lieber zu Hause geblieben ist? Dafür war der Altersschnitt der Gottesdienstbesuchenden deutlich niedriger. Spannend war die Rückmeldung einer Besucherin, die die letzte Stunde nicht als Gottesdienst, sondern als christliche Talkrunde bezeichnet hat. Aber was zeichnet denn eigentlich einen Gottesdienst aus? – Darüber wird auf der nächsten Kirchenvorstandssitzung in Bingen sicher zu reden sein. Grundsätzlich ist die Gemeinde aber daran interessiert, dass weitere SUBLAN-Gottesdienste in Bingen stattfinden, denn die Interaktion mit den Menschen hat geklappt. Schließlich war alles gut vorbereitet und die Ausrüstung durch sublan.tv hat gepasst.