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31.10.2018

Ein Abschied in politisch angespannten Zeiten

Synode des Dekanates Ingelheim tagte zum letzten Mal

Das Evangelische Dekanat Ingelheim steht mit der im Januar 2019 anstehenden Fusion mit dem benachbarten Dekanat Oppenheim vor einer großen Veränderung: Nach rund 70 Jahren wird es im kommenden Jahr kein Dekanat Ingelheim mehr geben, sondern ein Dekanat Ingelheim-Oppenheim. Dies wurde auf der 7. (und letzten) Tagung der 12. Dekanatssynode des Dekanates Ingelheim im Gemeindehaus der Evangelischen Johanneskirchengemeinde Bingen deutlich.

In ihrem geistlichen Wort zu Beginn der Synode betonte Dekanin Annette Stegmann angesichts der politischen Entwicklungen, das mutige Eintreten für die demokratischen Grundwerte. Zu den aktuellen Prognosen zu den Landtagswahlen in Hessen äußerte sich Dekanin Stegmann ebenso besorgt wie entschlossen: „Ich will nicht in einem Land leben, in dem populistisches Gedankengut herrscht. Ich bin in Sorge, dass dieses Gut der Demokratie, das wir haben, in unseren Händen zerrinnt. Ich wünsche mir, ich hoffe und ich bete, dass ich nicht nur Farbe, sondern auch zu Gott bekennen kann“. Nur konsequent war es deshalb, dass die Synode im Anschluss miteinander das Lied „Verleih uns Frieden gnädiglich“ anstimmte.

Auf der weiteren Tagesordnung stand ­die Entlastung des Dekanatssynodalvorstandes in Bezug auf den Haushalt 2017. Diese wurde von Kassenprüfer Klaus Retzlaff beantragt und von der die Synode bei zwei Enthaltungen gewährt. Anschließend warb die Beauftragte für den Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) 2021, Pfarrerin Miriam Küllmer-Vogt,

mit Vorab-Informationen für diesen besonderen Kirchentag in Frankfurt, der –  so Küllmer-Vogt - „in diesen Zeiten“ eine ganz besondere Bedeutung habe, denn: „Wir lernen in dieser Zusammenarbeit unsere Grenzen zu überwinden“. Miriam Küllmer-Vogt rief daher die Synodalen dazu auf, in ihren Gemeinden für eine Mitarbeit an diesem  Ökumenischen Kirchentag („ÖKT“) zu werben. So war es nicht verwunderlich, dass eine rheinhessische Gemeinde bat, einen ÖKT-Werbebanner  für den demnächst eingerüsteten Kirchturm zu produzieren. Im Anschluss wählte die Synode mehrheitlich den Jugenheimer Kirchenvorsteher Uli Röhm zum Delegierten für den Ökumenischen Kirchentag.

Angesichts des immer näher rückenden Fusionstermins war für die Synodalen natürlich der Bericht der Dekanin und des Präses des Dekanates, Horst Runkel, über die Vorbereitungen zur Fusion und über weitere Entwicklungen im Dekanat besonders interessant. Der Umzug in die neuen Räumlichkeiten des fusionierten Dekanates in Nieder-Olm soll Mitte Dezember stattfinden. Die Wahl-Synode für die neue Dekanatsspitze findet am 11.1.2019 im Jugenheimer Franz-Josef-Helferich-Haus statt. Unter Top 6 stand eine Abstimmung über den Dekanatswechsel von drei Gemeinden aus dem Dekanat Worms-Wonnegau in das neu gebildete Dekanat Ingelheim-Oppenheim an. Diesem Wechsel stimmten die Synodalen unter der Voraussetzung zu, dass das die Gemeinden abgebende Dekanat Worms-Wonnegau auch die halbe Pfarrstelle, mit der die Gemeinden derzeit betreut werden, mit überträgt.

Am Ende der Synode markierten Dekanin Stegmann und Präses Runkel den besonderen Moment als letzte Dekanatssynode des Evangelischen Dekanates Ingelheim. Gemeinsam dankten sie den Synodalen für die konstruktive Zusammenarbeit. Dekanin Annette Stegmann ist seit 1998 an der Dekanatsspitze tätig, zunächst als Dekanatsstellvertreterin, dann ab 2001 als kommissarische und kurze Zeit später auch als offiziell gewählte Dekanin, die mit der Umsetzung der Dekanatsstrukturreform und der Begleitung von immerhin vier Pfarrstellenbemessungen und „einiger“ Umzüge der Dekanatsverwaltung, so manche entscheidende Phase des Dekanates miterlebt und –geprägt hat. Präses Horst Runkel ist seit sieben Jahren Präses und blickte sichtlich bewegt auf diese arbeits- und ereignisreiche Zeit zurück.

Gefragt, aus welchem Blickwinkel sie in die Zukunft des fusionierten Dekanates sehen, waren die Ansichten der Synodalen selbst durchaus unterschiedlich. Während der Synodale Bernd Schultheiß, seit 1991 als Vertreter der Christuskirchengemeinde Bingen-Büdesheim in der Ingelheimer Dekanatssynode, sich wünscht, dass das neue Dekanat aufgrund seiner neuen Größe nicht die Verbindung „nach unten“ verliert, erhofft sich der Pfarrer der Kirchengemeinde Partenheim, Harald Esders-Winterberg, dass sich in der neuen größeren Synode ein spannender Diskussionskreis entwickeln wird, in dem kritische Fragen auch kontrovers diskutiert werden und, „dass wir so Perspektiven für eine gute Zukunft unserer Kirche gemeinsam entwickeln werden“. Mit Luthers Abendsegen wurde von Dekanin Annette Stegmann die letzte Synode des Dekanates Ingelheim geschlossen.