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02.10.2018

Ihr Geläut soll die Herzen der Menschen erreichen

Neue bronzene Glocke für die Appenheimer Michaeliskirche

Es war ein feierlicher Moment als der Appenheimer Kirchenvorsteher Erich Knewitz die neue bronzene Kirchenglocke der Evangelischen Kirchengemeinde Appenheim im Schatten der Michaeliskirche mit einem schweren Holzhammer anschlug. Eine Minute lang klang der sonore E-Ton der Glocke in den Abend hinein, während zahlreiche Appenheimerinnen und Appenheimer, aber auch Gäste aus den benachbarten Kirchengemeinden Nieder- und Ober-Hilbersheim andächtig lauschten und im Anschluss mit Pfarrerin Ursula Hassinger das „Vater Unser“ beteten.

Fast 60 Jahre ist es her, dass die Appenheimer Gemeinde zum letzten Mal eine neue Glocke bekommen hat. Nachdem 1959 die mittlere der drei Glocken der Michaeliskirche ausgetauscht wurde, war es nun Zeit die 1920 im Eisenhartguss gefertigte alte Glocke zu ersetzen. Weil die Lebenszeit dieser Glocke nur wenig mehr als 80 Jahre beträgt und ihr Klang mittlerweile arg „schepperte“, entschloss sich der Kirchenvorstand für rund 25 000 Euro eine neue Glocke zu kaufen.

Anlass genug für die Gemeinde einen sehr gut besuchten Festgottesdienst zu feiern. Pfarrerin Ursula Hassinger sprach in ihrer Festpredigt über die Bedeutung der Glocken im Gemeindeleben und ging auf die Inschrift der neuen Glocke „Ehre sei Gott in der Höhe. Erhaltet Eure Kirche, folgt meinem Ruf, Glaubt an Gott, der euch erschuf“, ein. Die Pfarrerin wünschte sich, dass das neue Geläute der Gemeinde, deren Glocken den H-, den As- und den E-Ton schlagen und damit einen E-Dur Akkord bilden werden, die Herzen der Menschen erreichen werde.

Die Vorsitzende des Appenheimer Kirchenvorstandes, Karin Schlaipfer, gab einen kurzen historischen Rückblick auf die Geschichte der Appenheimer Glocken, die als bronzener Dreiklang zuletzt im September 1917 geläutet hatten. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die Kindergottesdienstkinder, der Appenheimer Schubertbund sowie das Wackernheimer Bläserensemble BachBlech unter der Leitung von Pfarrerin Karin Becker gestalteten den Festgottesdienst und die feierliche Indienststellung der Glocke mit.

Zwei Tage später hob dann ein riesiger Industriekran unter lebhafter Teilnahme der Appenheimer Bevölkerung zunächst die alte Glocke durch eine der Schalladen-Öffnungen aus dem 1908 eingeweihten Glockenturm heraus, und stellte sie vor der Kirche neben die neue Glocke ab, sodass einen Moment lang zwei Glocken-Generationen nebeneinander standen und bewundert werden konnten. Das Positionieren der neuen Glocke in den über 100jährigen Kirchturm erfolgte dann mit bewundernswürdiger Genauigkeit. Zwischen der Ober- und Unterkante der immerhin über 1100 kg schweren Glocke und der Umrandung des Schallladens passte, so der Führer des Lastkrans, „kein Blatt Papier“. Kein Wunder, dass die Augenzeugen des „Glockenwechsels“ der Leistung des Kranführers und der Mitarbeitenden der Flörsheimer Firma Höckel-Schneider (Turmuhren und Glockentechnik) mit kräftigem Applaus belohnten.