EKHN.TV


Videos und Audio-Slideshows mit spannenden Geschichten aus Hessen und Nassau. Hier geht's zu EKHN.TV

03.08.2018

Für die Gemeinschaft, für die Gemeinde und zur Ehre Gottes

Nach 62 Jahren nimmt der Stadecker Kirchenchor seinen Abschied

Am vergangenen Sonntag sang der Kirchenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Stadecken-Elsheim zum letzten Mal im Gottesdienst. Ein schwerer Abschied nach 62 Jahren. Ein Abschied, der nicht nur für die Kirchen- und Ortsgemeinde schmerzlich ist, sondern insbesondere für die Sängerinnen selbst. „Wir haben das Leid und die Freude geteilt“, erinnert sich die Vorsitzende des Chores Annemie Singer, „Dass es zukünftig mittwochs keine Singstunde mehr geben wird, das wird für die Damen wirklich schwer werden“. Vielen Sängerinnen hat der Chor, an dessen Singprobe sich immer ein gemütliches Zusammensein anschloss, die Kraft gegeben, über so manche schwierige Lebensphase hinweg zu kommen.

Doch mittlerweile sind so einige Sängerinnen weit über 70 Jahre alt und nachdem im vergangenen Jahr etliche von ihnen beschlossen haben, nicht mehr singen zu wollen, entschloss man sich aufzuhören. „Vernunft war bei diesem Entschluss dabei“, so berichtet die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Stadecken-Elsheim, Anita Nowak-Neubert, „aber auch ein skeptisches Fünkchen, ob das jetzt richtig war?“. Tröstend wandte die Pfarrerin den Blick in die Zukunft, „Es wird ein „Weiter“ geben, wie auch immer das aussehen wird, aber jetzt ist es wichtig, den Schlusspunkt zu setzen, und dies einen Moment auch zu spüren und ernst zu nehmen“. Bis September hat man sich Zeit genommen, zu überlegen, welche der Ideen, die es mittlerweile schon gibt, weiterverfolgt werden soll.

Den Abschiedsgottesdienst nutzte Pfarrerin Nowak-Neubert als Gelegenheit, den immerhin noch über 20 Sängerinnen für ihr Engagement zu danken. Viele Gemeindeglieder waren gekommen, auch Vertreter des zweiten Kirchenchors Cantare und des befreundeten Chors Chorioso, um den Dienst, den der Chor nicht nur für die Kirchengemeinde, sondern auch die Kommune geleistet hat, zu würdigen. Außerdem fanden sich unter den Gottesdienstbesuchern auch zahlreiche ehemalige Sängerinnen, ja sogar Gründungsmitglieder, die 1956 bei einer ersten Versammlung im Frankfurter Hof in Stadecken mit dabei waren. Auch die derzeitige Vorsitzende des Chores, Annemie Singer, zählt zu den Gründungsmitgliedern und erinnert sich, wie sie als junges Mädchen noch – wie damals üblich – in weißer Zierschürze zur Singprobe ging. In den 62 Jahren, die mittlerweile vergangen sind, haben sich die Chormitglieder in vielerlei Hinsicht durch ihren stets verlässlichen ehrenamtlichen Einsatz um das Gemeinde- und Ortsleben verdient gemacht. Jährlich stand für sie das gründliche Putzen der Kirche auf dem Programm, dazu pflegte man den Kirchgarten und wurde ganz selbstverständlich nicht nur bei Kirchenfesten, sondern auch bei Festlichkeiten im Ort zum „Dienst“ eingeteilt. Einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Kontinuität des Chores gewahrt blieb, hatten natürlich die zahlreichen Chorleiterinnen und Chorleiter, die die Sängerinnen durch die Jahre begleiteten. Ein ehemaliger Chorleiter saß bei diesem wehmütigen Abschiedsgottesdienst in der Peterskirche, bei dem so manche Träne floss, auf der Empore an der Orgel: Walter Degreif – auch ihm dankte Pfarrerin Nowak-Neubert für sein langjähriges Engagement. Und der besondere Dank der Sängerinnen galt der aktuellen Leiterin ihres Chores: Ingrida Schwedass. Kirchenchorvorsitzende Annemie Singer überreichte ihr ein Geschenk und dankte ihr für die „liebevolle Zusammenarbeit in all’ den Jahren“. Alle Mitglieder des Chores erhielten von der Kirchengemeinde eine Urkunde und als kleines Andenken einen Schlüsselanhänger in Form eines Notenschlüssels – und, was natürlich jeden Künstler ganz besonders freut – „Standing Ovations“ – ganz viel Applaus auch als Würdigung ihres Lebenswerkes. Denn, so beschrieb es Pfarrerin Nowak-Neubert in ihrer Predigt: „Als Chorsängerin singen sie auch in diesem Abschiedsgottesdienst für die Gemeinschaft, für unsere Gemeinde und zur Ehre Gottes“.