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15.05.2018

Ganz nach Plan und ohne einen Patzer

ZDF sendet Fernsehgottesdienst aus der Ingelheimer Saalkirche

„Vorspann läuft!“ – nach dieser Ansage der Produktionsleiterin des ZDF, Sylke Hart, war kein Mucks mehr in der bis auf den letzten Platz gefüllten Ingelheimer Saalkirche zu hören. Die Anspannung aller erfüllte den Kirchenraum. Gleich sollte es los gehen, gleich würde dieser Gottesdienst aus der perfekt von den Fernsehtechnikern des Zweiten Deutschen Fernsehens in Szene gesetzten Kirche in ganz Deutschland zu sehen sein.

Fast ein Jahr hatten sich die Haupt- und Ehrenamtlichen der Saalkirchengemeinde auf diesen Moment vorbereitet. Kirchenbesichtigungen mit dem ZDF, zahlreiche Treffen der Vorbereitungsgruppe mit der Fernsehbeauftragten der Evangelischen Kirche Deutschlands, Elke Rudloff, unzählige Chorproben für die Kinder und Jugendlichen der von Carsten und Iris Lenz geleiteten Singakademie des Telemann-Chors Ingelheim und schließlich der aufwändige Aufbau der Technik und die ganztägige Generalprobe mit dem die Predigt des Gottesdienstes haltenden EKHN-Präsidenten Dr. Volker Jung am Vortag hatten statt gefunden.

Und jetzt musste alles klappen. Die Fernsehbeauftragte machte noch ein kleines Warm-Up mit den Gottesdienstbesuchern: „Lassen sie sich nicht von den „kleinen“ Kameras ablenken und lächeln sie, wenn wir „Nun jauchzt dem Herren alle Welt“ singen – denn eben klang das zwar nach Frohlocken, sah aber noch nicht so aus“. Und jetzt schmunzelte das Publikum natürlich – alle waren bereit. Carsten Lenz, Kirchenmusiker der Saalkirche spielte auf dem rechts vom Altar platzierten Orgeltisch die ersten Töne des Vorspiels an. Wunderbar! Der Kinder- und Jugendchor sang geradezu engelsgleich und hatte schon am Vortag alle Beteiligten, auch die ZDF-Mitarbeitenden, die ja im Laufe der Jahre schon manchen Fernsehgottesdienst abgedreht haben, begeistert.

Überhaupt war es beeindruckend, mit welcher Geduld und Konzentration alle am Gottesdienst Beteiligten schon im Vorfeld mitgearbeitet hatten: „Es war ein langer Weg“ erinnert sich die Pfarrerin der Saalkirche, Anne Waßmann-Böhm, „Wir haben als Arbeitsthema „Wahrheit und Wahrhaftigkeit“ zwar vorgegeben bekommen, haben dann aber in der thematischen Vorbereitungsgruppe in Zusammenarbeit mit der EKD-Fernsehbeauftragten einen roten Faden für den Gottesdienst entworfen und dann an diesen roten Faden entlang Texte, Gebete und Meditationen erarbeitet“. Sprecher und Sprecherinnen für den Gottesdienst wurden gefunden: Es waren die Leiterin des evangelischen Kurpfalz-Kindergartens Linda Biada-Bucher, Familienanwalt Anselm Oehlschlägel, die Journalistin Julia Krentosch und die Hospizmitarbeiterin und Prädikantin Maresa Biesterfeld. Sie sollten über den Umgang mit der Wahrheit in ihrem beruflichen Umfeld berichten.

Dies war Pfarrerin Waßmann-Böhm besonders wichtig: „Denn“, so sagt sie, „wenn es um die Wahrheit geht, dann sollen auch die zu Wort kommen, die täglich mit diesem Thema zu tun haben“. Der Ingelheimer Kirchenvorsteher Dr. Martin Scheuermann schlüpfte anlässlich der Schriftlesung in die Rolle des König Salomo, und las das „salomonisches Urteil“ aus dem Alten Testament, das das Bild dieses Königs als Experten für eine gerechte Wahrheitsfindung geprägt hat. Im Gottesdienst ging es aber nicht nur um den Umgang mit der Wahrheit im öffentlichen Raum, sondern auch im privaten Bereich: „Wir haben uns gefragt“, so Waßmann-Böhm, „ist es immer gut, wenn ich jemand die Wahrheit sage oder kann es auch schaden und Dinge zerbrechen“.

Und so war auch eine der Kernaussagen der sehr persönlichen und lebendig gehaltenen Predigt von EKHN-Präsident Dr. Volker, die Forderung, dass die Wahrheit mit Liebe gesagt werden muss: „So ist es mir z.B. wichtig“, so Jung, „wenn ich andere kritisiere, dass ich die Wahrheit in Liebe sage. Schlag die Wahrheit – oder besser: das, was ich für die Wahrheit halte – jemanden nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren. Halte sie hin wie einen Mantel, in den jemand schlüpfen kann“. So steckte in den 45 Minuten Fernsehgottesdienst viel Vorbereitung und viel Arbeit. Für den Fernsehzuschauer war dies sicherlich auf den ersten Blick nicht zu spüren, aber alle Mitwirkenden und die rund 40 Mitarbeitenden des ZDF wussten, nachdem die letzten Schlussakkorde des schönen Nachspiels von Carsten und Iris Lenz an Flügel und Orgel verklungen waren: dieser Gottesdienst war harmonisch und fehlerfrei wie ein kleines Räderwerk ganz nach Plan und ohne einen einzigen Patzer gelaufen.