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27.11.2017

Vom Wunsch nach Schutz und Weite

Ein besonderer ökumenischer Gottesdienst in Bingen-Büdesheim

Es war eine wahrhaft ökumenische Veranstaltung an diesem Buß- und Bettag in Bingen-Büdesheim: die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), die katholische Pfarrgruppe Bingen-Süd, die Evangelische Christuskirche Bingen-Büdesheim und die Freie Evangelische Gemeinde Bingen (FeG) arbeiteten harmonisch zusammen, um den diesjährigen Abschluss der Wanderfriedenskerzen-Aktion zu feiern. Um 18.30 Uhr versammelten sich bereits etliche Gläubige in der katholischen Kirche St. Aureus und Justina zu einer kurzen Andacht, um im Anschluss die Wanderfriedenskerze durch die schon dunklen Straßen Bingen-Büdesheims in einer Prozession zur Evangelischen Schwesterngemeinde, wie der katholische Pfarrer Stefan Oberst in der Eröffnungsandacht die Evangelische Christuskirche bezeichnete, zu tragen. Dort mussten Prozessionsteilnehmer ebenso wie diejenigen, die direkt zur Evangelischen Kirche in die Dromersheimer Chaussee gekommen waren, durch einen schmalen, von schwarzen Jurtenplanen der Büdesheimer Pfadfinder aufgebauten Durchgang schreiten, um in den Kirchenraum zu kommen. „Manchmal“, so erklärte die Pfarrerin der Christuskirchengemeinde, Tanja Brinkhaus-Bauer, die Bedeutung dieser außergewöhnlichen Eingangsgestaltung, „manchmal leben wir, als hätten wir eine so enge Jurten-Installation um uns herum“. Immer Menschen, ja ganze Nationen, würden heutzutage in so einer Enge leben, weil sie, um sich zu schützen, Mauern und Zäune bauten. „Aber Mauern grenzen vor allem aus. Ja, wir Menschen brauchen Schutz, aber wir brauchen auch Freiheit und Weite. Da, wo es unsere eigene Liebesfähigkeit nicht schafft, Grenzen und Mauern nieder zu reißen, sollten wir in das Blau des Himmels schauen, denn dort ist die grenzenlose Liebe Gottes“. Damit griff die Pfarrern das Motto auf, unter dem in diesem Jahr die Ökumenische Aktion Wanderfriedenskerze, die sich für die Opfer von Krieg, Terror und Gewaltherrschaft einsetzt, steht: „Du machst mein Herz weit! Gedenken an Opfer von Mauern und Angrenzung“.

Und dieses Thema griffen viele Elemente des Büdesheimer Gottesdienstes auf, der von einem ökumenischen Team von Haupt- und Ehrenamtlichen kreativ vorbereitet worden war: So z.B. auch die per Beamer in den Kirchenraum projizierten Bilder von Mauern und Zäunen, die von nachdenklich machenden Worten von Pastor Matthias Czekalla begleitet wurden, oder eine von Ehrenamtlichen gespielte Szene in einem Bus, die die ganz alltägliche Ausgrenzung von Flüchtlingen zeigte. Moderne Lieder, gespielt von der Band „Sound of Faith“, die Ehrung von Petra Rosskopf und Anja Janßen, die seit Jahren die Wanderfriedenskerze gestalten (in diesem Jahre symbolisierte ein Draht, mit dem die Herzen auf der Kerze umwickelt waren, die Angst die den Menschen einschnürt) und eine gemütliche Gesprächsrunde mit Tee und Keksen den schönen, nachdenklich machenden Gottesdienst ab.