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17.05.2017

„Einfach Spitze, dass du da warst“

Wehmütig-heiterer Abschied von Pfarrer Scheid in Schwabenheim

Die bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche sprach allein schon für sich. Über 200 Gemeindeglieder aller Altersgruppen aus Schwabenheim und Groß-Winternheim, Amtskollegen, u.a. aus dem Evangelischen Dekanat Ingelheim, Vertreter der Kommunen sowie viele weitere Weggefährten einer nunmehr 37jährigen Berufstätigkeit – alle waren sie gekommen, um Holger Scheid, den evangelischen Pfarrer der Kirchengemeinde Groß-Winternheim / Schwabenheim in den Ruhestand zu verabschieden. Das umfangreiche musikalische Programm, das den Abschiedsgottesdienst in der Evangelischen Kirche Schwabenheim umrahmte, zeugte auch eindrucksvoll mit Vorträgen der Kindergottesdienstkinder, des Kirchenchors und des Chors KLANGvoll von der ertragreichen 12jährigen Amtszeit des im Rhein-Lahn-Kreis geborenen Theologen Scheid. „Einfach Spitze, dass du da warst“, sang der Kinderchor der „Chorwürmer“ und der Propst für Rheinhessen, Dr. Klaus-Volker Schütz, betonte in seinen Abschiedsworten: „Herr Scheid, Sie selbst wissen am besten, wie zufrieden die Menschen im Selztal mit ihren Diensten gewesen sind. Der Übergang in den Ruhestand hat ja immer etwas von einem Erntedankfest. Jetzt kommt der Dank für das Geleistete. Genießen Sie nun die Freiheit, die auf Sie zukommen wird. Denn alles hat seine Zeit sagt der Prediger. Und auch das Loslassen hat seine Zeit, möge das Ihnen und Ihrer Gemeinde gelingen.“

Und so war es auch kein Wunder, dass die 1. Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinden Groß-Winternheim/Schwabenheim, Christl Beringer, in ihrem Grußwort, ihrem scheidenden Pfarrer nicht nur für die Zukunft nur das Beste wünschte, sondern auch rückblickend voll des Lobes für Scheid war: „Wir alle sind sehr traurig, denn wir verlieren einen menschlichen, warmherzigen und zugänglichen Menschen, dessen Predigten fesselten und mitrissen, aber auch einen sportlichen, Rad fahrenden Pfarrer und einen singenden und Gitarre-spielenden Pfarrer, begabt, passioniert, talentiert – einen Pfarrer mit Charisma eben. Deshalb blicken wir alle unendlich dankbar auf zwölf prägende und wertvolle Jahre zurück. Es waren nachhaltige Jahre“.

Holger Scheid betonte in seiner letzten Predigt als Pfarrer in Groß-Winternheim und Schwabenheim: „Ich schaue zurück auf 37 Jahre im schwarzen Gewand eines Pfarrers. Schaue zurück auf 37 Jahre intensiver Beschäftigung mit biblischen Texten und mit Theologie. Ich war immer gerne Pfarrer. Ich sage von ganzen Herzen allen Menschen Dank, die ich in den ganzen Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen und zu unterschiedlichen Anlässen getroffen habe, mit denen ich zusammengearbeitet habe und die mit mir zusammengearbeitet haben. Wenn etwas gelungen war, wenn etwas Früchte getragen hat, das waren ja dann nie nur meine eigenen Ideen, das war eigentlich immer das Ergebnis von Inspiration aus dem Zusammenwirken mit anderen Menschen. Ein Ergebnis davon, dass Menschen zusammen einen Weg gingen. Nun schließt sich heute ein Kreis, der mit meiner ehrenamtlichen Mitarbeit als 17jähriger in der Kirche begann. Heute strebe ich heraus aus der Verantwortung. Ich freue mich auf neue Freiheiten. Irgendwann nach einer gewissen Zeit, werde ich wieder hier und da einen Gottesdienst übernehmen.“

Und nachdem auch Thomas Winter, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Bartholomäus sowie die beiden Ortsvorsteher Schwabenheims und Groß-Winternheims ihre Abschiedsworte gesprochen hatten, schien es, als ob das Wetter außerhalb der Kirche die wehmütig-heitere Stimmung im Kirchenraum aufgegriffen hätte: Es prasselten abwechselnd dicke Regentropfen gegen die Kirchenfenster und gleichzeitig durchbrachen einige Sonnenstrahlen das Himmelsgrau während die Pfarrerin von Stadecken-Elsheim, Anita Nowak-Neubert, die bis auf weiteres die Vakanz-Vertretung in Groß-Winternheim/Schwabenheim übernehmen wird, die abschließenden Segensworte sprach.