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17.05.2016

Anstoß für ein besseres interreligiöses Miteinander

Mehr als nur ein Kunstprojekt – „Der Engel der Kulturen“ stößt engere Kooperation der Konfessionen an

Es war eine Demonstration der Verbundenheit der Völker und der Religionen – das Kunstprojekt „Engel der Kulturen“, das Mitte Mai eine große Menschenmenge in das Nieder-Olmer Stadtzentrums lockte. Ein 1,50 m großes, metallenes Rad, in dessen Inneren die Symbole der drei abrahamitischen Religionen Christentum, Judentum und Islam angebracht waren, wurde von Schülerinnen und Schülern vom Nieder-Olmer Rathausplatz zu den christlichen Kirchen, dem evangelischen Gemeindezentrum und zu der früheren Synagoge gerollt. Tatkräftig begleitet wurde die „Abraham-Karawane“ von dem Künstlerpaar Carmen Dietrich und Gregor Merten, die das interreligiöse und interkulturelle Kunstprojekt 2008 kreiert haben.  An jeder der fünf Stationen des Projekts wurde der Metallring vorsichtig auf den Boden gelegt, mit Sand aufgefüllt und wieder hoch gehoben. Als Abdruck blieb ein leuchtend weißer Engel zurück.

Die fünf leicht vergänglichen Sand-Engel sind aber – neben einer bleibenden Intarsie des Engels am Nieder-Olmer Gymnasium – bei weitem nicht die einzige Spuren dieser Kunstaktion, die von zwei Pädagoginnen des Nieder-Olmer Gymnasiums, Bettina Rau-Alpermann (Evangelische Schulpfarrerin) und Katja Neufahrt (Kunst- und Ethiklehrerin) in die kleine rheinhessische Stadt geholt und mitorganisiert wurde. Sowohl die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Nieder-Olm, Julia Freund, als auch die Schulpfarrerin Rau-Alpermann sind sich einig, dass das Projekt „dazu beigetragen hat, verschiedene Gruppen– nicht nur innerhalb sondern auch außerhalb der Gemeinden – an einen Tisch zu holen“.

Und wer an diesem schon fast sommerlich anmutenden Tag der Aktion beiwohnte, der konnte bei allen beteiligten Vertretern der Religionen deutlich den Willen spüren, das Verbindende der Religionen zu betonen. So trug der katholische Dekan Hubert Hilsbos zusammen mit Gemeindegliedern der katholischen Kirche in Nieder-Olm Bibelzitate zum Thema „Barmherzigkeit“ vor, um hervor zu heben, dass „dies in allen drei Religionen die wichtigste Eigenschaft Gottes ist“. Eine andere Teilnehmerin des Rundwegs, an dem sich neben Vertretern der christlichen Gemeinden und des türkischen Kulturvereins auch die jüdische Gemeinde Mainz, sowie Band und Chöre des Nieder-Olmer Gymnasiums, die beiden kirchlichen Kindergärten, Konfirmanden  und die Pfadfinder beteiligten, fand das Projekt eine „tolle Sache“ und hoffte, dass es „ein Anstoß für ein noch besseres ökumenische Miteinander“ sein werde.

Organisatorin Bettina Rau-Alpermann zeigte sich davon begeistert, wie „supertoll die einzelnen Konfessionen das Thema umgesetzt haben – so unterschiedlich, aber in der friedlichen und respektvollen Aussage gegenüber den anderen Religionen doch alle vereint“. Außerdem habe die lange Vorbereitungszeit der Aktion von über einem Jahr dazu geführt, dass man sich bei den vielen Vorbereitungstreffen besser kennen lernen konnte – auch innerhalb der Konfessionen: „So habe ich als Schulpfarrerin durch den engen Kontakt mit der Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde Nieder-Olm Julia Freund wieder einen Einblick in die Arbeit einer Gemeindepfarrerin bekommen und umgekehrt. Und beide haben wir gesehen, welche aktuellen Herausforderungen es in Schule und Pfarramt jeweils gibt. Das sind Nebeneffekte, die nicht zu unterschätzen sind“.